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Was uns unter die Haut geht

Teil 5 der Fastenserie mit Christine Haiden: Berührt zu werden gehört zu unseren Grundbedürfnissen. Zärtlichkeit ist eine Sprache, die ohne Worte auskommt. Wenn wir sie zulassen.

Der heilige Florian erlitt einen gewaltsamen Tod. Man band ihm einen Mühlstein um den Hals und warf ihn in die Enns. Als ob er kein Mensch, sondern nur mehr ein Stück Materie sei, das man entsorgen muss. Der Legende nach hielt eine Frau namens Valeria das nicht aus. Ihr wurde, so wird erzählt, in einer Vision gezeigt, wo der Leichnam sich verfangen hatte. Mit einem Ochsengespann fuhr sie aus, barg den Toten und bestattete ihn. Wenn über den Märtyrertod des römischen Soldaten berichtet wird, unterschlägt man meist diese Seite der Geschichte. Sie erzählt von der Zärtlichkeit. Im Leib des Toten ist seine Würde noch da. So wie der Mensch am Beginn seines Lebens mit Zärtlichkeit, mit Berührung, empfangen wird, soll er auch seine Tage beenden. Valeria hat der Logik der Feindschaft und der brutalen Zerstörung nicht das letzte Wort gelassen. Mit ihrer Zärtlichkeit hat sie den Menschen gesehen.

 

Zarte Berührungen verbinden Menschen

Die Berührung ist die Keimzelle der Friedfertigkeit. Die Psychologie zumindest sagt uns, dass wir über die liebevolle Berührung erst Bindung entwickeln können. Wir lernen, uns und andere zu spüren. Wir kennen den sinnlichen Hautkontakt, der auf eine sexuelle Stimulation hinauslaufen kann. Zärtlich sind aber auch das absichtslose, sanfte Streicheln, das liebevolle Umarmen, das zugewandte Küssen und Liebkosen. Mit etwas Neid blicke ich manchmal auf die selbstverständliche Körperlichkeit, die in jungen Familien zwischen Eltern und Kindern gepflegt wird. Meine Mutter erzählte an ihrem 90. Geburtstag, dass sie das einzige „Busserl“ ihrer Mutter bekommen habe, als sie ihr eine Armbanduhr geschenkt hatte. Es war nicht üblich, zärtlich mit Kindern zu sein, auch noch nicht, als wir auf der Welt waren. Die Zuwendung wurde häufig über das Essen kanalisiert und ausgelebt. In den Nachkriegsgenerationen hat vermutlich noch ein nationalsozialistisches Erziehungsideal gewirkt. Man schnürte die Kinder in Wickelpölster und war angehalten, sie schreien zu lassen, sie nicht durch Herausnehmen und Trösten zu „verweichlichen“. Das führte zu Verhärtungen, die bei vielen noch nachwirken. Eine Art Hornhaut legte sich über unser größtes und sensibelstes Organ. Hautkontakt, wie unangenehm, brauche ich doch nicht! Was stark klingt, sollte wohl nur vor weiteren Verwundungen schützen, für die es kein Pflaster gab. 

 

Die Angst vor der Berührung

Ihren Anteil an der Verdrängung des elementaren Bedürfnisses nach Zärtlichkeit hat auch die katholische Tradition. Der Strang der Leibfeindlichkeit war stark ausgeprägt. Aus Angst, dass Berührung in eine unerwünschte sexuelle Erregung übergeht, hat man gleich jeden Körperkontakt verboten. Das natürlichste Bedürfnis des Menschen, die zärtliche Berührung, wurde in die Sphäre des Gefährlichen, des nur normiert und kontrolliert Auszulebenden verbannt. Eine verquere und heimliche Sexualität war die Folge. Wo es keine Zärtlichkeit gibt, ist aber Missbrauch nicht weit. Nicht selten klaffte eine große Lücke zwischen dem gar nicht Zärtlichen, das Kinder in katholischen Einrichtungen und Familien erlebten, und der Rede von der Liebe Gottes. „Gottesvergiftung“ nannte der Autor Tilman Moser dieses krankmachende System.

 

Wie die Welt aussehen könnte

Dummerweise hat man lange Zeit die Erlaubnis zum Trösten und Berühren, wenn überhaupt, nur den Müttern gegeben. Es gehört zu den großen Tabus, dass viele Mütter dazu nicht fähig waren. Sie konnten, genötigt durch ein Korsett eines viel zu engen Rollenbildes, nicht frei mit ihren Kindern umgehen. Sie sollten funktionieren in einem System der Zurechtmachung des Nachwuchses und hatten selbst nicht die Freiheit, sich zu spüren. Was sollten sie da weitergeben? Die Väter waren ohnehin anderweitig beschäftigt, viel abwesend und wurden, wie ich es auch noch erlebt habe, als oberste Strafinstanz benützt, wenn die Mutter nicht weiterwusste. Wie anders würde unsere Welt ausschauen, wenn diese krank machenden Muster nicht mehr existierten. Wenn die Zärtlichkeit das höchste Ansehen hätte. Wenn man befremdet auf jene schaute, die meinen, eine unverletzbare Härte, ein Rühr-mich-nicht-an ausstrahlen zu müssen. 

 

Der zärtliche Blick

Zu den Geschichten, die mich in der Bibel besonders berühren, gehört die Auferstehungsgeschichte nach Johannes. Maria Magdalena, die oft übel verleumdete „Sünderin“, geht am Ostermorgen als Erste zum Grab Jesu. Dort erscheint er ihr, sie erkennt ihn aber nicht, hält ihn für den Gärtner. Er spricht sie mit ihrem Namen an und sie erwidert „Rabbuni“, Meister. Dieser Moment des Erkennens ist ungeheuer zärtlich. Die Berührung ist nicht vordergründig körperlich und ist es doch. Das Erkennen des anderen in seinem ganzen Wesen ist ein zutiefst menschlicher Akt. Zärtlichkeit meint genau das. Ich nehme dich wahr, ich spüre dich, ich liebe dich als der, der du bist. Die Haut kann das Medium sein, aber auch im Blick kann alle Zärtlichkeit liegen. Liebevoll angeschaut zu werden, dieser Wunsch vergeht mit dem Alter nicht, seine Erfüllung ist schon für ein Baby überlebensnotwendig.  Zärtlichkeit, so lese ich diese Auferstehungsgeschichte, ist ein intimer Moment zwischen zwei Menschen. In ihm sind wir offen, verletzlich und auf wundersame Weise ganz.

 

Zärtlichkeit lässt Wunden heilen

„Zärtlichkeit, Zärtlichkeit, du bist das Licht, das uns scheint, du wärst die Sprache der Menschheit, die die Menschen wortlos vereint“, heißt es in einem Lied von Georg Danzer. Zärtlichkeit macht im besten Fall möglich, dass Wunden, auch seelische, heilen. Nehmen wir einander mehr in die Arme. Wozu hätten wir sie sonst?

 

Alltagstipp

"Zärtlichkeit macht im besten Fall möglich, dass Wunden, auch seelische, heilen. Nehmen wir einander mehr in die Arme."

 

Alexandra Grill
Fastenserie mit Christine Haiden

Tugenden der Friedfertigkeit

Friede beginnt mit einer inneren Haltung. Gegen die Kultur des Rechthabenwollens hilft eine Kultur der Friedfertigkeit. Die Tugenden, die Christine Haiden in der Fastenzeit in sieben Artikeln vorstellt, sind: Sanftmut, Geduld, Disziplin, Verzeihen, Güte, Humor, Zärtlichkeit.

 

Teil 1: Lass dir nicht alles durchgehen

 

Teil 2: Warum geht denn das nicht schneller

 

Teil 3: Verzeihen befreit

 

Teil 4: Man wird doch noch träumen dürfen ...

Aus der KirchenBlatt-Ausgabe Nr. 11 vom 19. März 2026. 

 

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Veröffentlicht am 25.02.2026
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