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Verzeihen befreit

Teil 3 der Fastenserie mit Christine Haiden: Wenn es um das Verzeihen geht, wird es schnell moralisch. Man müsste doch, man sollte doch! Aber was, wenn man nicht kann?

Vor mir saß ein kleiner, sehr alter Mann. Seine Augen hatten etwas Strahlendes. Das verlor sich auch nicht, als er von den Schlägen und Demütigungen erzählte, die er in der Haft während des Krieges erleiden musste. Er kannte den Namen des größten Übeltäters auch sechzig Jahre später noch. Aber das Erlittene lag ihm nicht mehr wie Blei auf der Seele. Warum konnte er verzeihen, wollte ich von ihm wissen. „Weil es mir selbst geschadet hätte, es nicht zu tun“, antwortete er so einfach wie fast unglaublich. Und doch fasste er in diesem Satz zusammen, was auch die Psychologie bestätigt. Wer verzeihen kann, tut vor allem sich selbst etwas Gutes. Da liegt der Schluss nahe, dass man das so schnell wie möglich tun soll. Wenn das bloß keine Überforderung ist! Die Seele kann nicht so schnell reagieren wie der Verstand. Sie braucht Zeit. Je größer die Kränkung, desto länger. 

 

Unterschied zwischen verzeihen und vergeben

Religionen, so auch die christliche, legen die Latte höher. Man sollte nicht nur verzeihen, sondern sogar vergeben, den Feinden zuerst. Kein Wunder, wenn viele sich erst gar nicht auf den Weg machen, weil ihnen dieses Ziel unerreichbar scheint. Verzeihen ist niederschwelliger. Man vergibt zwar noch nicht, lässt aber das Erlittene nicht länger über sich dominieren. Wer verzeiht, hat eine Kränkung, eine Verletzung der persönlichen Unversehrtheit an Leib und Seele, ein Stück hinter sich gelassen. „Vergessen habe ich die Taten nicht“, sagte der alte Mann. Er erinnerte sich genau. Auch die Folgen der Tat begleiteten ihn. Er war so stark in die Geschlechtsteile getreten worden, dass er fortan zeugungsunfähig war. Die Schläge auf seinen Rücken hatten eine angeborene Wirbelsäulenverkrümmung  verschlechtert, sodass er im Rollstuhl sitzen musste.

 

Erlittenes Unrecht und trotzige Rache

Dieser alte Mann war ein gläubiger Mensch. Er orientierte sich an der Bibel der Zeugen Jehovas. „Mein ist die Rache, sagt Gott, also die Rache gebührt nur Gott“, zitierte er ein Tabu, das er akzeptierte. Rachegefühle entstehen ganz von selbst. Wir können und wollen uns Unrecht nicht gefallen lassen. Wir überlegen, wie wir dem Täter diese Tat „heimzahlen“, also aufrechnen können. Nur so, sagt unser Gefühl, können wir die Gerechtigkeit wieder ins Lot bringen. Aus der langen Geschichte der Menschheit wissen wir, dass das nicht so ist. Rache gebiert Gewalt, diese ihrerseits wieder Rache, und so fort. Rache verkeilt sich besonders stark in der Seele jener, deren Selbstwert ohnehin nicht auf einem Betonfundament gebaut ist. Diese Menschen sind besonders auf den Zuspruch von außen angewiesen und leichter kränkbar als robustere Charaktere. In ihrer Hilflosigkeit, mit erlittenem Unrecht umzugehen, fällt ihnen nur die trotzige Rache ein. „Na, wartet nur, euch zeige ich es auch noch“, wird zum inneren Leitspruch. Das kann große Energie freisetzen. Meist gebiert sie allerdings Zerstörung. Wie viele politische Führer haben schon gezeigt, dass Rache die Welt nicht freundlicher, sondern unwirtlicher macht.

 

Durch Wut und Schmerz gehen

Man sollte sich hüten, von sich zu behaupten, man habe keine Rachegefühle. Vielleicht ist man nur zu feig, auf die dunklen Seiten seiner Seele zu schauen. Auf das, was sich dort angestaut hat, und wie Unrat, den man nicht wegräumt, mit der Zeit unangenehme Düfte entwickelt. Man kann Kränkungen verdrängen, Wut und Zorn aus dem Bewusstsein verbannen, um vor sich selbst edel und gut dazustehen. Los wird man sie aber nicht. Oft reicht es schon, nur an die Person zu denken, und die Wut steigt wieder in einem auf. Will man lernen, zu verzeihen, Erlittenes nicht länger über einen bestimmen zu lassen, sollte man den Weg durch all die Bilder und Gefühle, die wahrgenommen werden wollen, nehmen. Dieses Gehen durch die Wut, den Schmerz und die Trauer ist wie das Reinigen, Versorgen und Verbinden einer Wunde. Erst dann kann sie langsam verkrusten und vernarben. Wie bei jeder Wunde gilt: Es braucht Zeit. Je tiefer die Kränkung, desto mehr Fürsorge sollte man sich selbst angedeihen lassen. Wenn die Wunde verheilt ist, weiß das Gedächtnis trotzdem noch, was sie verursacht hat. Kränkungen werden nicht gegenstandslos, wenn man der Person, die sie zugefügt hat, verzeihen konnte. Man hat nur gelernt, sie in sein Leben zu integrieren. Dieses Ereignis, diese Beschädigung gehören dann zu uns, sind Teil dessen, wer wir durch das Leben geworden sind. 

 

Nicht auf eine Entschuldigung warten

Verzeihen braucht die eigene Entscheidung. Sie braucht keine Entschuldigung des anderen. Auf dem Weg des Verzeihens können wir mit etwas Glück die Person, die uns Leid zugefügt hat, anders sehen. Vielleicht hat sie es gar nicht so gemeint? Vielleicht ist sie gar nicht in der Lage, zu sehen, was sie bei anderen anrichtet? Aber auch da gilt, bitte, keine Überforderung. Man muss Täter:innen nicht verstehen, schon gar nicht muss man rechtfertigen, was sie getan haben. Aber sie nicht als das personifizierte Böse zu sehen, kann eine Lockerungsübung für die Seele sein. Wir werden innerlich beweglich, lösen uns aus der Erstarrung und lassen uns nicht von anderen dominieren. 

 

Im Erzählen die Richtung der Gefühle ändern

Dem alten Mann half, dass er mit der Anstrengung des Verzeihens nicht allein war. Im Kreis seiner Glaubensgeschwister wurde das Erlebte erzählt, man hat ihm zugehört und es auf dem Hintergrund der Lehren, an die man glaubt, reflektiert. Die Friedfertigkeit, die man von Haustür zu Haustür predigte, wurde so im eigenen Leben möglich. Nicht gleich und nicht auf einfache Weise, aber in jenen kleinen Schritten, die es braucht, um die Richtung der Gefühle zu ändern.

 

 

Alltagstipp

„Wer verzeihen kann, tut vor allem sich selbst etwas Gutes. Da liegt der Schluss nahe, dass man das so schnell wie möglich tun soll. Wenn das bloß keine Überforderung ist! Die Seele kann nicht so schnell reagieren wie der Verstand. Sie braucht Zeit. Je größer die Kränkung, desto länger.“

 

Alexandra Grill
Fastenserie mit Christine Haiden

Tugenden der Friedfertigkeit

Friede beginnt mit einer inneren Haltung. Gegen die Kultur des Rechthabenwollens hilft eine Kultur der Friedfertigkeit. Die Tugenden, die Christine Haiden in der Fastenzeit in sieben Artikeln vorstellt, sind: Sanftmut, Geduld, Disziplin, Verzeihen, Güte, Humor, Zärtlichkeit.

 

Teil 1: Lass dir nicht alles durchgehen

 

Teil 2: Warum geht denn das nicht schneller

Aus der KirchenBlatt-Ausgabe Nr. 8 vom 5. März 2026. 

 

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Veröffentlicht am 25.02.2026
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