
Aus der KirchenBlatt-Ausgabe Nr. 32 vom 3. September 2026.
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von Joachim Schwald
Wir schreiben das Jahr 1996: Martin Purtscher ist Vorarlberger Landeshauptmann, Franz Vranitzky Bundeskanzler, Johannes Paul II. bereitet die Kirche auf das Heilige Jahr 2000 vor und die EU arbeitet an den Vorbereitungen für die Einführung des Euro. Deutschland wird Fußball-Europameister und die Spice Girls mit ihrem Hit „Wannabe“ weltweit zu einem Phänomen. In der historischen Altstadt von Bludenz wird indessen eine Idee geboren, die bis heute Bestand hat: der Bludenzer Klostermarkt.
Die Idee ist einfach: Wirtschaftliche und handwerkliche Betriebe von Klöstern sollen die Möglichkeit bekommen, ihre Produkte und ihre Arbeit einem breiten Publikum zu präsentieren – und zwar in einem besonderen Ambiente. Die Umsetzung erwies sich allerdings zunächst als Herausforderung. „Es war gar nicht so einfach, Klöster zu finden. Damals kannten sie sich untereinander nicht“, erinnert sich Ideengeberin Inge Neier. Die damalige WIGE-Obfrau ließ sich davon nicht entmutigen und fand mit Klaus Allgäuer vom Tourismusverein einen Mitstreiter. Gemeinsam gelang es ihnen, zehn Klöster für den ersten Markt zu gewinnen. Der Grundstein war gelegt.
Schon bald zeigte sich, dass es bei der Veranstaltung um weit mehr ging als um den Verkauf von Produkten. „Schnell wurde allen Beteiligten klar, dass der Markt eine sehr gute Gelegenheit ist, sich untereinander zu vernetzen“, sagt Neier. Die Klosterleute stellten fest, dass sie vielfach mit denselben Herausforderungen zu kämpfen hatten. Aus dem gemeinsamen Marktplatz wurde damit auch ein Ort des Austauschs.
Diese Verbindung ist bis heute ein wichtiger Teil des Erfolgs. Zahlreiche Ordensgemeinschaften und Klöster halten dem Bludenzer Klostermarkt seit Jahrzehnten die Treue. Gleichzeitig haben sich die Rahmenbedingungen verändert. „In der Vermarktung der klostereigenen Erzeugnisse haben sich die Klöster enorm weiterentwickelt. Es gibt Klosterläden und Online-Shops – vieles wurde auf professionelle Beine gestellt“, sagt Neier.
Die Idee aus Bludenz blieb dabei nicht auf Vorarlberg beschränkt. Andere Regionen wurden auf das Konzept aufmerksam und griffen es auf. Mittlerweile gibt es in ganz Europa Klostermärkte, die dem Bludenzer Vorbild folgen. Der Erfolg der eigenen Idee wurde für das Original allerdings zeitweise sogar zur Herausforderung: Der Bludenzer Klostermarkt stand zwischenzeitlich auf der Kippe.
In den vergangenen Jahren hat die Veranstaltung jedoch wieder deutlich an Fahrt aufgenommen. Rund 35 Klöster werden Jahr für Jahr angeschrieben, etwa zwei Drittel davon sagen ihre Teilnahme zu. Neier ist inzwischen zwar nicht mehr für die Organisation verantwortlich, dem Markt aber weiterhin eng verbunden. Wenn ihr Rat gefragt ist oder Unterstützung gebraucht wird, ist sie zur Stelle.
Am Konzept hat sich seit den Anfängen wenig verändert. Im Mittelpunkt stehen nicht das Kaufen und Verkaufen, sondern die Begegnung und der Austausch. Der Markt bringt Menschen zusammen, die sich für traditionell hergestellte Produkte, für das Leben in den Klöstern und für das Wissen und Handwerk dahinter interessieren. Gleichzeitig bietet er den Ordensgemeinschaften eine Bühne, um ihre Arbeit und ihre Wirtschaftsbetriebe sichtbar zu machen.
Zum 30. Geburtstag wird diese Tradition entsprechend gefeiert. Den Auftakt des Jubiläumswochenendes bildet am Donnerstag, 10. September, um 19 Uhr eine feierliche Messe im Franziskanerkloster. Anschließend lädt eine Fotoausstellung mit Eindrücken aus drei Jahrzehnten Klostermarkt zu einer Zeitreise ein. Bei einer Agape im Klostergarten klingt der Abend gemütlich aus.
Am Freitag (10 bis 19 Uhr) und Samstag (9 bis 16 Uhr) verwandelt sich die Bludenzer Altstadt dann wieder in einen Treffpunkt der Klosterkultur. Angeboten werden unter anderem Klosterbier, Wein und Liköre, Fastensuppe, Klosterbrot, Honig und Marmeladen sowie Keramik, Kerzen, Salben und Schmuck. Vor allem aber bietet der Markt Gelegenheit für das, was ihn seit 30 Jahren ausmacht: persönliche Begegnungen mit Ordensleuten aus verschiedenen Ländern und den Austausch über eine Welt, die für viele Besucher:innen sonst eher verborgen bleibt.
30 Jahre nach seiner Gründung ist aus einer einfachen Idee damit weit mehr geworden als ein Markt: ein Ort der Begegnung, des Austauschs und der gelebten klösterlichen Tradition.
30. Bludenzer Klostermarkt
Donnerstag, 10. 9. | 19 Uhr – Messfeier
Freitag, 11. 9. | 10 bis 19 Uhr (offizielle
Eröffnung um 10 Uhr) – Marktzeiten
Samstag, 12. 9. | 9 bis 16 Uhr
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