
Nur zwei Verse beinhaltet die Lesung. Es ist der Auftakt, der Paulus dazu dient, der Gemeinde in Rom sein theologisches Programm vorzustellen. Ein wichtiges Thema für ihn ist die Identität der christlichen Gemeinde in der Welt. Ihm geht es nicht um Kult und auch nicht um Opfer, sondern um eine innere Haltung. Entscheidend ist, den Willen Gottes
zu tun.
Das ist zugleich gut und gefährlich. Es ist gefährlich, weil ich immer wieder erlebe, wie besonders religiöse Menschen sich von der „schlechten Welt“ absetzen. Problematisch wird Religion dort, wo Menschen ihre eigene Identität dadurch stärken, dass sie andere abwerten. Dann entsteht schnell das Gefühl, selbst auf der richtigen Seite zu stehen, während andere ausgeschlossen werden. Paulus geht es jedoch nicht um Abgrenzung, sondern um die Frage, wie ein Leben gelingen kann, das sich am Willen Gottes orientiert. Es ist gefährlich, die eigene Identität im Kontrast zu anderen auszubilden. Das ist auch nicht die Position der Amtskirche, die in anderen Religionen Funken von Wahrheit erkennen kann.
Rituale helfen, sind aber nicht das Ziel
Gut finde ich aber, dass Paulus großen Wert darauf legt, dass es weder auf Opfer noch
auf Rituale ankommt, sondern auf eine innere Haltung. Der Wille Gottes zeigt sich nicht zuerst in religiösen Leistungen, sondern in einer Lebenshaltung, die dem Wohl anderer dient. Rituale können dabei helfen. Sie sind nicht das Ziel, sondern eine Quelle, aus der Menschen Kraft für ihren Alltag schöpfen, um
den Blick auf die Menschen und die Welt zu schärfen.
Lukas Pallitsch, Dr., PhD, ist Universitätsassistent (post-doc) am Institut für Religionspädagogik und Katechetik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien sowie Beauftragter der Diözese Eisenstadt für den christlich-jüdischen Dialog.
Kontakt: sonntag@koopredaktion.at
Lektionar für die Bistümer des deutschen Sprachgebiets. Authentische Ausgabe für den liturgischen Gebrauch. Band I: Die Sonntage und Festtage im Lesejahr A, Freiburg u. a. 2019. © staeko.net


