
Auf den ersten Blick sind mir vor allem die Wörter Fleisch, Sterben und Leib aufgefallen. Bei näherer Betrachtung tauchen jedoch auch Wörter wie Geist, Christus und Leben auf. Der heutige Ausschnitt aus dem Römerbrief enthält eigentlich eine hoffnungsvolle Botschaft: In uns allen wohnt der Geist Gottes. Daraus dürfen wir Kraft schöpfen und mit dieser Kraft unser Leben gestalten.
In den bisherigen Ausschnitten des Römerbriefs hat Paulus immer wieder diese Zuwendung Gottes hervorgehoben, die uns trotz unserer vielen Verirrungen zugesagt bleibt. Gleichzeitig werden wir ermahnt und daran erinnert, unser Leben auf Gott auszurichten.
Im Rahmen meiner Ausbildung zur Pastoralassistentin ist mir vor Kurzem folgende Metapher begegnet: In einem Kurs wurde uns das Bild einer Schale vorgestellt. Es sollte verdeutlichen, dass wir selbst gut gefüllt sein müssen, bevor wir etwas an andere weitergeben können – wie eine Schale, die zuerst gefüllt werden muss, bevor sie überfließen kann. Ist meine Schale bis zum Rand gefüllt, fällt es mir leicht, freundlich, geduldig und aufmerksam zu sein. Es fällt mir leicht, aus dem Geist zu leben. Ist meine Schale hingegen nur mit wenigen Tropfen gefüllt, begegnen mir vermehrt Ängste, Sorgen und Reizbarkeit. Ich bin ungeduldig und anfälliger dafür, nach dem „Fleisch“ zu leben.
Wahrscheinlich werde ich nie ganz aus dem Geist leben können. Meine Unvollkommenheit und meine Unsicherheiten werden wohl immer irgendwo da sein – wie kleine Risse und Löcher in meiner Schale. Doch vielleicht kann ich diese Risse mit Gold füllen, an ihnen wachsen, aus ihnen lernen und meine Schale weiter füllen. Ich muss nicht perfekt sein. Ich muss nicht alle meine Probleme gelöst und alle meine Eigenschaften optimiert haben, um schon im Hier und Jetzt überfließen und mit anderen teilen zu können.
Hannah Bilgeri ist Pastoralassistentin in Ausbildung in der Pfarre Bruder Klaus in Dornbirn-Schoren.
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