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Firmung mit Tiefgang statt Pflichtprogramm

Alena Bereuter koordiniert die Firmung in Dornbirn und trifft auf junge Menschen, die kritisch fragen und tief nachdenken.

Von Anna Kadisch

 

Alena, wenn dich jemand in drei Worten beschreiben müsste – welche wären das?

 

Alena Bereuter: Das ist gar nicht so einfach. Ich würde sagen: bodenständig, authentisch und vielseitig. Wobei ich das Wort „authentisch“ gar nicht so gern mag. Aber ich verstelle mich selten. Egal, ob ich mit Jugendlichen oder dem Bischof rede. Und vielseitig passt auch: Ich bin musikalisch unterwegs, leite einen Verein als Obfrau, töpfere gerne, spiele Tennis, gehe wandern, helfe ab und zu beim Heuen und probiere ständig Neues aus. Ich mache vieles mit Begeisterung.

 

Wie bist du zur Firmkoordination im Seelsorgeraum Dornbirn gekommen?

 

Bereuter: Ich habe die Stellenausschreibung gesehen und mich beworben. Im Bewerbungsgespräch saßen Dominik Toplek, Elisabeth Herburger und Christine Vonblon. Dominik kannte ich sogar schon vom Weltjugendtag. Damals war ich auf der Suche nach einem Beruf mit Sinn – und genau das habe ich hier gefunden.

 

Was hast du davor gemacht?


Bereuter: Mein beruflicher Hintergrund liegt in der Kommunikation. Dort geht es darum, wie ein Unternehmen nach außen wahrgenommen wird. Wie schaffen wir Aufmerksamkeit? Wie erzählen wir unsere Geschichte? Da habe ich gelernt, dass die Verpackung oft einen Unterschied macht. Der Inhalt ist natürlich das Wichtigste – aber eine gute Präsentation hilft, dass Menschen überhaupt hinschauen. Geschichten zu erzählen, das gefällt mir.

 

Was gefällt dir besonders an deinem Berufsalltag in der Kirche?

 

Bereuter: Mich hat überrascht, wie viel Freude mir die pastorale Arbeit macht. Spirituelle Texte vorbereiten, Andachten gestalten oder gemeinsam singen – das berührt mich. Vor einer Taizé-Fahrt haben wir uns mit einer kleinen Gruppe getroffen, gesungen und eine Kerze angezündet. Solche einfachen Momente können bewirken. Ich merke immer wieder: Oft sind es die kleinen Dinge, die Menschen verbinden.

 

Es geht nicht um Zahlen, sondern um die bewusste und persönliche Entscheidung.
Alena Bereuter

Was begeistert dich momentan am meisten an der Arbeit mit Jugendlichen?

 

Bereuter: Jugendliche sind unglaublich direkt. Sie sagen ehrlich, was sie denken, und verstellen sich weniger als viele Erwachsene. Wenn etwas nicht passt, merkt man das sofort. Gleichzeitig stellen sie Fragen, die oft überraschend tief gehen. In der Firmvorbereitung versuche ich, einen Raum ohne Leistungsdruck zu schaffen. Jugendliche stehen heute ständig unter Druck – Schule, Ausbildung, Erwartungen. Bei uns sollen sie einfach da sein dürfen. Auch an einem schlechten Tag. Das allein genügt.

 

Im Seelsorgeraum Dornbirn wird erst mit 17+ gefirmt. Warum braucht es dieses Modell?


Bereuter: Weil wir dann auf Augenhöhe arbeiten können. Mit 17 Jahren haben junge Menschen meist schon eigene Erfahrungen gesammelt, eigene Meinungen entwickelt und den Mut, kritisch nachzufragen. Dadurch entstehen ganz andere Gespräche. Die Themen werden tiefer und spannender.  

 

Was ist herausfordernd an Firmung mit 17+?
Bereuter: Jugendliche in diesem Alter haben volle Terminkalender und müssen sich die Zeit für die Firmvorbereitung bewusst freischaufeln. Genau deshalb hat ihre Entscheidung auch besonderes Gewicht. Wer dabei ist, will wirklich dabei sein.

 

Was verändert sich, wenn Jugendliche erst mit 17+ selbst Ja sagen?
Bereuter: Für mich wird die Firmung dadurch zu einem bewussten Bekenntnis. Natürlich entscheiden sich dann nicht alle dafür. Aber unsere Haltung ist klar: Lieber 50 Jugendliche, die sich bewusst dafür entscheiden, als 150, die einfach mitlaufen. Es geht nicht um Zahlen, sondern um die bewusste und persönliche Entscheidung.

 

Welche Themen beschäftigen Jugendliche derzeit besonders?
Bereuter: Viele Fragen drehen sich um Identität: Wer bin ich? Was ist mir wichtig? Welche Werte tragen mich? Auch Beziehungen spielen eine große Rolle. Und natürlich die digitale Welt – sie ist ständig präsent und prägt den Alltag vieler Jugendlicher.

 

Gibt es Momente, die dich immer wieder überraschen?


Bereuter: Ja, absolut. Manchmal äußert ein Firmling einen Gedanken, bei dem ich mir denke: „Wow, das hat gerade wirklich ein 17-Jähriger gesagt?“ Viele Jugendliche sind unglaublich reflektiert. Oft weiter, als ich selbst in diesem Alter war.

 

Was braucht es, damit Jugendliche sich öffnen können?

 

Bereuter: Vertrauen. Es hilft, wenn sie bereits jemanden kennen oder eine Bezugsperson in der Gruppe haben. Und es hilft, wenn Jugendliche mit anderen Jugendlichen ins Gespräch kommen. Deshalb wünschen wir uns, dass ehemalige Firmlinge später selbst Verantwortung übernehmen und neue Gruppen begleiten. Junge Menschen verstehen oft am besten, was andere junge Menschen bewegt.

 

Was können Erwachsene von Jugendlichen über den Glauben lernen?


Bereuter: Offenheit. Jugendliche sprechen Zweifel oft direkt an. Sie zeigen, wenn sie etwas nicht verstehen oder unsicher sind. Diese Ehrlichkeit tut auch dem Glauben gut. Man muss nicht auf jede Frage sofort eine Antwort haben.

 

Was hoffst du, nehmen die Jugendlichen von der Firmung mit?


Bereuter: Da denke ich oft an eine Geschichte von Rachel Naomi Remen über ihren Großvater. Darin heißt es am Ende: „Einmal gesegnet worden zu sein, heißt für immer gesegnet zu sein.“ Diesen Gedanken finde ich wunderschön. Die Jugendlichen sollen spüren: Du bist ein Geschenk. Du bist gut, so wie du bist. Die Firmung soll ihnen Kraft schenken – für heute und für alles, was noch kommt.  

 

Und zum Schluss: Was macht dir persönlich an „Firmung 17+“ am meisten Freude?
Bereuter: Dass ich selbst so viel von den Jugendlichen lerne. Sie haben meine Neugier geweckt – auch auf die Bibel. Ich bin durch die Firmvorbereitung tatsächlich zu einem großen Bibel-Fan geworden. Für fast jede Lebenssituation gibt es dort eine Geschichte. Und obwohl diese Texte so alt sind, haben sie erstaunlich viel mit unserem Leben heute zu tun.  

Privat
Zur Person

Alena Bereuter

Alena Bereuter ist vielseitig unterwegs: Sie musiziert, töpfert, wandert, kann mit Langlaufski umgehen – und begleitet Jugendliche im Seelsorgeraum Dornbirn auf dem Weg zur Firmung. Der Sibratsgfällerin ist besonders wichtig, dass junge Menschen einen Ort finden, an dem sie einfach sie selbst sein dürfen. Die Firmung soll eine bewusste und persönliche Entscheidung sein – genau darum ist die Firmung mit 17+ aus ihrer Sicht eine sinnvolle Entscheidung und lässt sie motiviert in die Zukunft blicken.

Aus der KirchenBlatt-Ausgabe Nr. 26 vom 2. Juli 2026. 

 

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Veröffentlicht am 15.06.2026
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