
Von Jakob Lorenzi
Pfarrer Herbert Böhler wurde 1941 in Buch geboren und wäre, wäre es nach ihm gegangen, gerne auch in dieser Gegend geblieben – wie Gott aber die Wege bereitet, sollte es so für seine Zeit als Pfarrer nicht kommen. Und das zum Guten, wie er heute weiß.
Mit 12 Jahren wurde Pfarrer Böhler ins Paulinum in Schwaz eingeschrieben. Nach der Matura begann er Medizin und Theologie zu studieren, bevor er sich für das Priesterseminar entschied. Die Entscheidung für seine Berufung sei dabei nicht über Nacht gekommen, sondern lange in ihm gereift. „Meinen Eltern habe ich es erst erzählt, als ich die Schule abgeschlossen hatte“, berichtet der Pfarrer. Für seine Schwester Rosa sei dann auch klar gewesen, dass sie ihren Bruder als Köchin unterstützen will.
Nach der Priesterweihe freute sich Herbert Böhler auf seine Versetzung ins Marianum. „Ich war hier schon zugeteilt und habe mich darauf gefreut, abends zu meinen Eltern zu fahren und einen ‚Jass‘ zu machen“, sagt er. Aufgrund eines Ausfalls musste ich aber in Schruns einspringen. Dafür habe ihm der Generalvikar versprochen, dass er nur für ein Jahr aushelfen müsse.
Die ersten Jahre in Schruns waren fordernd. Sein Vorgänger war krank, zahlreiche Aufgaben warteten auf den jungen Mann. Die Pfarrkirche musste dringend renoviert werden, ein Pfarrgemeinderat sollte eingeführt werden – damals noch etwas Neues. Später kamen weitere Großprojekte hinzu: die Kirchenrenovierung von 1981 bis 1984, die Anschaffung einer neuen Orgel im Jahr 1988, Arbeiten am Pfarrheim sowie die Neueindeckung der Kirche 2016. Besonders stolz ist er darauf, dass alle Bauvorhaben ohne Schulden bewältigt werden konnten. „Die Schrunser haben unglaublich mitgeholfen“, betont er dankbar.
Neben den baulichen Herausforderungen belastete ihn auch die hohe Arbeitsbelastung. Eigentlich durften junge Priester nur wenige Schulstunden übernehmen, doch er unterrichtete zeitweise 21 Stunden pro Woche. Auch schwere persönliche Erfahrungen prägten sein Wirken. Besonders der Tod eines langjährigen Ministranten nach einem Skiunfall ging ihm nahe. „Ich musste ihn dann selbst beerdigen. Das hat mich sehr lange beschäftigt“, erinnert sich Pfarrer Herbert Böhler.
Trotz aller Schwierigkeiten überwiegen für ihn die schönen Erinnerungen. Schruns sei für ihn und seine Schwester Rosa zur Heimat geworden. Die Menschen hätten sie herzlich aufgenommen, obwohl man ihn anfangs gewarnt habe, die Montafoner seien „ein besonderes Völkchen“.
Besonders emotional bleibt ihm der Abschied 2016 in Erinnerung. Über 570 Menschen feierten damals im Pfarrgarten ein großes Fest. „Das hätte im Himmel nicht schöner sein können“, sagt er rückblickend.
Die Feier der Gottesdienste stand für ihn stets im Mittelpunkt seines priesterlichen Wirkens. Feierliche Liturgien mit Kirchenchor, Orchester und Mozartmessen lagen ihm besonders am Herzen. Auch die Zusammenarbeit mit den Ministranten – bis zu 50 Ministranten waren in Schruns im Einsatz – war Pfarrer Böhler sehr wichtig. Ebenso wichtig waren ihm die Spendung der Sakramente und die Begegnung mit den Menschen auf Augenhöhe. Krankenbesuche gehörten für ihn selbstverständlich dazu. Unterstützt wurde er dabei stets von engagierten Pfarrgemeinde- und Pfarrkirchenräten.
Eine wichtige Stütze war während all der Jahrzehnte seine Schwester Rosa. 50 Jahre lang führte sie ihm den Haushalt, kümmerte sich um Ministrantengewänder und half in zahllosen Bereichen des Pfarrlebens mit. „Sie hat sehr viel für Schruns gemacht – und noch mehr für mich“, sagt er voller Dankbarkeit.
Heute lebt das Geschwisterpaar wieder in Buch. Obwohl gesundheitliche Beschwerden vieles einschränken, helfen beide weiterhin mit, wo sie können. Gleichzeitig genießen sie das Leben, unternehmen Ausflüge und pflegen viele Freundschaften – besonders auch ins Montafon. „Wir fühlen uns hier wieder zuhause“, sagt der Pfarrer Böhler zufrieden. „Es ist ein schönes Dorf, und wir haben es fein.“.