
Die Gewissheit wächst
Mit den Jahren wuchs die Gewissheit. Vor der Priesterweihe war ihm klargeworden, dass dies seine Entscheidung war. Am 29. Juni 1971 wurde Peter Rädler in der Pfarrkirche St. Karl in Hohenems von Bischof Bruno Wechner zum Priester geweiht. Doch selbst in diesem entscheidenden Moment meldeten sich noch einmal Zweifel. Beim Einzug in die Kirche fiel sein Blick auf eine Seitentüre. „Jetzt könnte ich noch gehen“, dachte er. Gegangen ist er nicht – im Gegenteil: Er ist viel mehr als nur „einfach geblieben“. Es folgten fünf Jahre als Kaplan in Altenstadt und zwei Jahre als Kaplan am Dom in Feldkirch. Anschließend arbeitete er neun Jahre im Leitungsteam des Priesterseminars in Innsbruck. Danach absolvierte er eine Ausbildung in Klinikseelsorge in Heidelberg und fand schließlich jenes Arbeitsfeld, das ihn über Jahrzehnte prägen sollte.
Menschen in Not begleiten
1988 begann Peter Rädler seinen Dienst in der Krankenhausseelsorge. Zunächst zehn Jahre in der Valduna, anschließend von 2000 bis 2016 in der Krankenhausseelsorge in Feldkirch. Insgesamt war er rund 30 Jahre lang in diesem Bereich tätig. Besonders wichtig war ihm dabei die Spendung der Krankensalbung. Eine Begegnung ist ihm bis heute in Erinnerung geblieben. An einem Sonntagabend erhielt er einen Anruf von der Neurochirurgie in Feldkirch. Eine Patientin mit Hirntumor stand kurz vor einer Operation. Als er ihr Zimmer betrat, bemerkte er einen Rosenkranz und ein Marienbild auf dem Nachtkästchen. Er bot ihr die Krankensalbung an. Die Frau nahm das Angebot dankbar an. Nach der Operation besuchte er sie auf der Intensivstation. Dort sagte sie zu ihm: „Sie wissen gar nicht, was Sie mir vermittelt haben. Ich war nach der Salbung innerlich völlig ruhig und entspannt.“ Neben solchen berührenden Erfahrungen gab es auch schwierige Situationen. Besonders herausfordernd war die Arbeit auf der Intensivstation. Oft stand die Frage im Raum: Was tun wir noch – und was nicht mehr? Gemeinsam mit Ärzten und Pflegepersonal wurde intensiv darüber beraten. Die Ergebnisse anschließend den Angehörigen mitzuteilen, war nicht einfach. Nach solchen Tagen suchte Rädler Kraft im Gebet. „Wenn ich zuhause war, setzte ich mich hin und betete für die Patienten und ihre Angehörigen – mit dem Bewusstsein: Ich muss das nicht alleine stemmen, Gott ist bei uns.“
Zuhören statt antworten
Wichtige Impulse erhielt Peter Rädler auch aus der Psychologie. „Ich verdanke der Psychologie, dass ich nicht versuche, kurzschlüssige und eindeutige Antworten zu finden“, sagt er. Auch auf die Frage, was einen guten Pfarrer ausmacht, möchte er keine einfache Antwort geben. „Diese Frage hat Ähnlichkeiten mit den Fragen: Was macht einen guten Lehrer oder einen guten Arzt aus?“ Sein Ziel als Seelsorger sei stets gewesen, mit Menschen in ein tiefes Gespräch zu kommen, ihre Begabungen zu entdecken und diese ins Leben zu holen.
Rädler radelt
Neben seinem Dienst schöpfte Peter Rädler Kraft aus Bewegung und Freundschaften. Fast 30 Jahre lang war er mit einer Gruppe von Freunden auf Radtouren in ganz Europa unterwegs. Die Wege führten von Passau nach Wien, von Wien bis Budapest, zweimal für jeweils zwei Wochen durch Irland und auf dem Jakobsweg von Pamplona bis Santiago de Compostela. Auch Berg- und Skitouren gehörten zu seinen Leidenschaften. Der Kontakt zu seinen Freunden besteht bis heute. „Ich möchte meinen Freunden danken. Es hat immer Menschen gegeben, die mir das Gefühl gegeben haben, daheim zu sein. Dafür bin ich sehr dankbar.“ Heute lebt Peter Rädler in Rankweil. In der Valduna ist er weiterhin seelsorglich tätig, allerdings ohne Leitungsfunktion. Seine Zeit verbringt er gerne mit Lesen, dem Gebet und der Meditation. Wenn er auf seine 55 Jahre als Priester zurückblickt, zieht er ein positives Resümee: „Es war ein geführter Weg und im Großen und Ganzen ein guter Weg. Es war eine lebbare und auf vielen Strecken eine erfüllende Berufung.“


