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Es war ein geführter Weg

55 Jahre Priester – und noch immer mit Herz in der Seelsorge tätig: Peter Rädler blickt anlässlich seines Priesterjubiläums dankbar auf seinen Lebensweg zurück.

Von Anna Kadisch

 

Peter Rädler wurde am 16. März 1943 in Eichenberg geboren und wuchs in Lochau als ältestes von 13 Kindern auf. Schon als Kind erlebte er religiöse Rituale ganz selbstverständlich im Alltag. Der Vater ging nicht nur sonntags in die Kirche, sondern machte vor dem Almauftrieb auch eine Prozession durch den Stall. Wurde ein Kalb geboren, erhielten sowohl das Tier als auch die Kuh eine Handvoll geweihtes Salz.


Einfach einmal probieren


Dass er einmal Priester werden würde, war allerdings keineswegs selbstverständlich. Ursprünglich wollte er Arzt werden. In Graz war bereits ein Zimmer im Studentenheim bezahlt. Doch kurz vor Studienbeginn kam die 180-Grad-Wende. „Etwas lässt mich nicht los, also probiere ich es mal“, dachte er sich und fuhr statt nach Graz ins Priesterseminar nach Innsbruck.

Es war ein geführter Weg und im Großen und Ganzen ein guter Weg.
Peter Rädler

Die Gewissheit wächst


Mit den Jahren wuchs die Gewissheit. Vor der Priesterweihe war ihm klargeworden, dass dies seine Entscheidung war. Am 29. Juni 1971 wurde Peter Rädler in der Pfarrkirche St. Karl in Hohenems von Bischof Bruno Wechner zum Priester geweiht. Doch selbst in diesem entscheidenden Moment meldeten sich noch einmal Zweifel. Beim Einzug in die Kirche fiel sein Blick auf eine Seitentüre. „Jetzt könnte ich noch gehen“, dachte er. Gegangen ist er nicht – im Gegenteil: Er ist viel mehr als nur „einfach geblieben“. Es folgten fünf Jahre als Kaplan in Altenstadt und zwei Jahre als Kaplan am Dom in Feldkirch. Anschließend arbeitete er neun Jahre im Leitungsteam des Priesterseminars in Innsbruck. Danach absolvierte er eine Ausbildung in Klinikseelsorge in Heidelberg und fand schließlich jenes Arbeitsfeld, das ihn über Jahrzehnte prägen sollte.


Menschen in Not begleiten


1988 begann Peter Rädler seinen Dienst in der Krankenhausseelsorge. Zunächst zehn Jahre in der Valduna, anschließend von 2000 bis 2016 in der Krankenhausseelsorge in Feldkirch. Insgesamt war er rund 30 Jahre lang in diesem Bereich tätig. Besonders wichtig war ihm dabei die Spendung der Krankensalbung. Eine Begegnung ist ihm bis heute in Erinnerung geblieben. An einem Sonntagabend erhielt er einen Anruf von der Neurochirurgie in Feldkirch. Eine Patientin mit Hirntumor stand kurz vor einer Operation. Als er ihr Zimmer betrat, bemerkte er einen Rosenkranz und ein Marienbild auf dem Nachtkästchen. Er bot ihr die Krankensalbung an. Die Frau nahm das Angebot dankbar an. Nach der Operation besuchte er sie auf der Intensivstation. Dort sagte sie zu ihm: „Sie wissen gar nicht, was Sie mir vermittelt haben. Ich war nach der Salbung innerlich völlig ruhig und entspannt.“ Neben solchen berührenden Erfahrungen gab es auch schwierige Situationen. Besonders herausfordernd war die Arbeit auf der Intensivstation. Oft stand die Frage im Raum: Was tun wir noch – und was nicht mehr? Gemeinsam mit Ärzten und Pflegepersonal wurde intensiv darüber beraten. Die Ergebnisse anschließend den Angehörigen mitzuteilen, war nicht einfach. Nach solchen Tagen suchte Rädler Kraft im Gebet. „Wenn ich zuhause war, setzte ich mich hin und betete für die Patienten und ihre Angehörigen – mit dem Bewusstsein: Ich muss das nicht alleine stemmen, Gott ist bei uns.“


Zuhören statt antworten


Wichtige Impulse erhielt Peter Rädler auch aus der Psychologie. „Ich verdanke der Psychologie, dass ich nicht versuche, kurzschlüssige und eindeutige Antworten zu finden“, sagt er. Auch auf die Frage, was einen guten Pfarrer ausmacht, möchte er keine einfache Antwort geben. „Diese Frage hat Ähnlichkeiten mit den Fragen: Was macht einen guten Lehrer oder einen guten Arzt aus?“ Sein Ziel als Seelsorger sei stets gewesen, mit Menschen in ein tiefes Gespräch zu kommen, ihre Begabungen zu entdecken und diese ins Leben zu holen.


Rädler radelt


Neben seinem Dienst schöpfte Peter Rädler Kraft aus Bewegung und Freundschaften. Fast 30 Jahre lang war er mit einer Gruppe von Freunden auf Radtouren in ganz Europa unterwegs. Die Wege führten von Passau nach Wien, von Wien bis Budapest, zweimal für jeweils zwei Wochen durch Irland und auf dem Jakobsweg von Pamplona bis Santiago de Compostela. Auch Berg- und Skitouren gehörten zu seinen Leidenschaften. Der Kontakt zu seinen Freunden besteht bis heute. „Ich möchte meinen Freunden danken. Es hat immer Menschen gegeben, die mir das Gefühl gegeben haben, daheim zu sein. Dafür bin ich sehr dankbar.“ Heute lebt Peter Rädler in Rankweil. In der Valduna ist er weiterhin seelsorglich tätig, allerdings ohne Leitungsfunktion. Seine Zeit verbringt er gerne mit Lesen, dem Gebet und der Meditation. Wenn er auf seine 55 Jahre als Priester zurückblickt, zieht er ein positives Resümee: „Es war ein geführter Weg und im Großen und Ganzen ein guter Weg. Es war eine lebbare und auf vielen Strecken eine erfüllende Berufung.“

Aus der KirchenBlatt-Ausgabe Nr. 25  vom 25. Juni 2026. 

 

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Veröffentlicht am 15.06.2026
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