
Von Joachim Schwald
Als „sehr glücklich“ bezeichnet Bischof Benno Elbs seine Kindheit, die er gemeinsam mit seinem um zwei Jahre jüngeren Bruder in den 1960er Jahren in Langen bei Bregenz verbrachte. Neben seinen Eltern war insbesondere seine Oma eine prägende Persönlichkeit in früher Kindheit. Sie war es, die den kleinen Benno im Volksschulalter täglich mit in die Schülermesse nahm.
In seiner Zeit am Gymnasium gab es für Elbs zwei weitere prägende Personen: eine im Sinne der Identifikation, eine im Sinne der Provokation. Fasziniert war er von seinem Religionslehrer Prof. Werner Würbel. „Er war Priester und hatte einen guten Zugang zu jungen Leuten. Das hat uns allen imponiert.“ Ausschlaggebend dafür, warum sich Elbs schon in jungen Jahren intensiv mit religiösen Fragen auseinandersetzte, war aber die sehr antikirchliche Haltung seines Psychologieprofessors. Damit provozierte er Widerstand in Elbs, der intellektuell angestiftet wurde, nach Argumenten zu suchen, warum das „religiöse Zeug“ doch wahr ist.
Nach der Matura hatte Elbs mehrere Optionen. „Option 1 war Mathematik. Das war mein Paradefach. Hinzu kamen Medizin, Psychologie und Theologie.“ Die Wahl fiel auf das Priesterseminar. Während seines Externjahres in Paris reifte in ihm der Entschluss, einen anderen Weg zu wählen. Ein längerer Aufenthalt im strengen Benediktinerkloster Saint Benoit sur Loire im Loiretal ließ ihn jedoch zu seiner ursprünglichen Berufung zurückfinden.
War es also anfänglich eher ein Berufungsweg, der geprägt war von Vorbildern, Provokation, Krisen und der Erfahrung im Kloster, so erlebte der Feldkircher Bischof im Laufe seines Priesterseins viele Affirmationen. „Sei es bei Besuchen im Krankenhaus oder im Gefängnis, in Gesprächen mit Menschen oder beim Feiern von Gottesdiensten – ich erlebe immer wieder, dass ich am richtigen Ort bin.“
Mit dem 16. Mai 1986, dem Tag seiner Priesterweihe, verbindet der heutige Bischof ein großes Gefühl der Nervosität. „Rückblickend betrachtet, war es sehr schön. In der Situation selbst war dieses große Fest für mich als eher schüchterne Person mit großer Anspannung verbunden. Ich mag es bis heute nicht, wenn die volle Aufmerksamkeit auf mir liegt.“
Die ersten drei Dienstjahre verbrachte Benno Elbs als Kaplan in der Pfarre Mariahilf in Bregenz („Drei wunderbare Jahre, in denen ich mich unter Pfarrer Otto Feuerstein sen. sehr gut entwickeln konnte.“), gefolgt von fünf Jahren am Studieninternat Marianum in Bregenz.
Seine Zeit als Pastoralamtsleiter der Diözese Feldkirch (ab 1994) war geprägt von großen Umbrüchen. „Es war eine Phase großer innerkirchlicher Spannungen. Als Pastoralamtsleiter war ich voll im Brennpunkt, was mich sehr gefordert, um nicht zu sagen, belastet hat“, erinnert er sich. Schnell lernte Elbs, dass es als Führungskraft heißt, Spannungen auszuhalten und Brücken zu bauen.
Am 2. Mai 2013 sollte der nächste große Einschnitt im Leben von Benno Elbs folgen. Zu seiner großen Überraschung wurde der damalige Diözesanadministrator über seine mögliche Bischofsernennung informiert. Nach einer kurzen Bedenkzeit wurde Elbs am 8. Mai von Papst Franziskus zum Bischof von Feldkirch ernannt. Damit begann eine neue Lebensphase. „Wenn man so ein Amt bekleidet, muss man sich bewusst sein, dass das Privatleben vorbei ist. Man ist ständig unter Beobachtung“, sagt Elbs. Umso wichtiger ist ihm seine Herkunftsfamilie. „Die Familie ist für mich ein Ort des Loslassens und von normaler Menschlichkeit jenseits des Amtes.“
Sein Wahlspruch „Befiehl dem Herrn deinen Weg, vertrau ihm – er wird es fügen“ bringt sein Gottvertrauen zum Ausdruck. „Dieses Vertrauen wächst durch Gebet, geschenkte Erfahrungen (Anamnese) sowie gelebte Glaubenswege anderer Menschen“, sagt Elbs und fügt hinzu: „Gottvertrauen ist kein Besitz, sondern ein täglich neues Suchen und Beschenkt-Werden, vergleichbar mit der Ehe.“
Als seine Energiequellen bezeichnet Benno Elbs die tägliche Meditation und das Gebet am Morgen, die Gottesdienste, die er feiert, die Phasen der Ruhe, die Bewegung in der Natur, sei es beim Wandern oder Spazieren, aber auch schöne Begegnungen, die ihm Kraft spenden. Diese Quellen gelte es daher auch immer wieder bewusst aufzusuchen.
Für die Zukunft wünscht sich der Bischof, dass möglichst viele Menschen mit der Hoffnung, die aus dem Glauben kommt, gestärkt sind, denn „der Auftrag der Kirche ist es, dass Menschen mit Hoffnung durchs Leben gehen können“, so Elbs abschließend.