
Von Ingmar Jochum
Was die frommen Wünsche einer Großmutter so alles bewirken können, weiß Pfarrer Armin Fleisch aus eigener Erfahrung zu berichten. Sie hatte nämlich dafür gebetet, dass eines ihrer Kinder das Priesteramt bekleiden würde. Eine Generation später war es dann so weit und Enkel Armin entschied sich dafür, das Priesterseminar zu absolvieren. Nachgeholfen hatte zudem der damalige Altacher Pfarrer, der der Familie Fleisch nahelegte, ihr Sohn könne doch das Marianum besuchen. Die forsche Ansprache eines Erziehers im Bregenzer Schülerwohnheim – „du kasch o Pfarrer wöra“ – brachte den Schüler schließlich auf den Weg. So fügten sich die verschiedenen Mosaiksteine zusammen, die seinen Weg zum Priesteramt geebnet haben. Schon in der Bibel wird von den einen berichtet, die den Ruf Gottes gehört haben und für die anderen gilt das Wort aus dem Johannesevangelium „Und er führte ihn zu Jesus“.
Die Priesterweihe empfing Armin Fleisch gemeinsam mit Benno Elbs und Josef Walter in St. Gallus in Bregenz. An die Primiz in seiner Heimatgemeinde Altach erinnert er sich noch heute gerne. Seinen Primizspruch kann er auch heute noch spontan auswendig: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10,10). „Ich mag die tiefere Bedeutung dieser Worte. ‚Leben in Fülle‘ ist mehr als nur existieren. Es ist ein Leben, das mit Sinn erfüllt ist. ‚Leben in Fülle‘ bedeutet angenommen zu sein, so wie man ist, zu wissen, dass Gott immer da ist, Hoffnung zu haben, die über den Augenblick und sogar über den Tod hinausgeht. Schließlich endet unser Leben nicht im Sarg oder in einer Urne“, so der Priesterjubilar.
Nach der abgeschlossenen Ausbildung war seine erste Station Mitte der Achtzigerjahre ein Praktikum in Schwarzach. Mit dem damaligen Pfarrer Anton Bereuter wechselte Fleisch ein Dreivierteljahr später nach Bregenz. Von 1987 bis 1992 wirkte der Jungpriester in Egg, anschließend zwei Jahre in Großdorf, bevor er schließlich die Pfarre in Bezau übernahm. Wie er schmunzelnd anmerkt, hat er in der Zwischenzeit sogar ein wenig Wälderisch gelernt. Bereut hat er diesen Entschluss nie. Ganz im Gegenteil, im Gespräch mit dem gebürtigen Altacher merkt man, dass auch nach 40 Jahren keine Amtsmüdigkeit weit und breit zu sehen ist. Das liege auch daran, dass ihm vieles abgenommen wird. Die Mitarbeiter:innen der Pfarre erledigen Organisatorisches und Bürokratisches. So kann sich der Bezauer Pfarrer, der vor 22 Jahren zusätzlich die Pfarre Bizau übernommen hat, um seine Mitmenschen kümmern. Und das im wahrsten Sinne des Wortes von der Wiege bis zur Bahre. „Bei Beerdigungen und Taufen hat man viele Anknüpfungspunkte und kommt mit den Leuten ins Gespräch. Manche kommen dann wieder öfter oder sogar regelmäßig und andere eben nicht“, schildert Armin Fleisch.
Gedanken an die Pension hat er daher noch keine. Angesichts der stetig steigenden Lebenserwartung könne man, ruhig ein wenig länger arbeiten, so es denn die Gesundheit zulässt und die nötige Motivation vorhanden ist. Für Pfarrer gelten sowieso andere Regelungen, ab 70 kann man mit und fünf Jahre später auch ohne Grund den verdienten Ruhestand antreten.
Sorge um die Zukunft der Kirche hat Armin Fleisch nicht. Es sei alles eine Frage der Ein- und Aufteilung. Mitarbeiter:innen der Pfarren könnten hier einige Aufgaben übernehmen, die sonst ein Pfarrer erledigt. Auch Wortgottesdienste werden teilweise bereits von Laien übernommen.
Dass man auch nach Jahrzehnten als aufgeschlossener Seelsorger und Theologe noch auf neue Erkenntnisse kommen kann, beweist der Bezauer Pfarrer mit seiner neuen Deutung für das Kreuzzeichen. „Ein Kind aus Ostdeutschland besuchte mit seiner Mutter eine Kirche und fragte: ,Wer hängt da oben auf diesem Plus?‘ Diesen Gedanken gibt er den Eltern gerne bei Taufen mit. „Unser aller Leben steht unter einem Plus, von Anfang an. Was auch immer im Leben auf uns zukommt, es steht unter diesem guten Vorzeichen. Es muss dich nichts so erschüttern, dass es dich aus der Bahn wirft.“
Große Freude bereitet Armin Fleisch die Musik, er singt gerne und beschäftigt sich leidenschaftlich mit Kirchenliedern. So hat er auch einige davon in verschiedenen Liederbüchern zusammengestellt. „Das Schönste daran ist das gemeinsame Singen mit den Menschen, Singen ist wie Beten mit Gefühl“, findet der Priesterjubilar ein schönes Abschlusswort.