
Von Ingmar Jochum
Das Licht der Welt erblickte er vor 53 Jahren in Reuthe im Bregenzerwald. Obwohl die Religion zuhause stets ein wichtiges, wenn auch kein bestimmendes Thema war, schlug er zuerst einen ganz anderen Weg ein und besuchte die Handelsschule in Bezau und danach den Aufbaulehrgang an der Handelsakademie in Bregenz. Das wachsende Interesse an der Theologie brachte den Bregenzerwälder nach der Matura ans Priesterseminar in Innsbruck. Nach seinem Abschluss absolvierte Kaufmann sein Pastoraljahr bei Eugen Giselbrecht in Ludesch. „Er war ein guter Begleiter, der mir viele Freiheiten ließ, aber auch immer mit Rat und Tat zur Seite stand, wenn man ihn brauchte“, erinnert sich der Reuthinger. Das Diakonatsjahr und in weiterer Folge vier Kaplansjahre folgten bei Toni Oberhauser in Götzis und Altach. Weitere Kaplansjahre absolvierte Kaufmann schließlich in der Pfarre St. Peter und Paul in Lustenau bei Pfarrer Josef Drexel, der den zukünftigen Priester ebenfalls so gut als möglich unterstützte.
Ein eindrucksvolles Ereignis war am 1. Juli 2001 die Priesterweihe in Altach. Dass der damalige Regens des Priesterseminars von Bischof Klaus Küng fälschlicherweise erbat, Friedl Kaufmann „zum Bischof zu weihen“, wurde allerseits mit Humor aufgenommen „und anschließend dann doch korrigiert“, wie sich Kaufmann mit einem Schmunzeln erinnert. Eine Woche später fand traditionellerweise die Primiz in seiner Heimatgemeinde Reuthe statt. Als Primizspruch wählte er „Und es geschah, während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen. (Emmausgeschichte Lukas 24,15). Nach der Weihe schloss sich ein Stück weit der Kreis, als es zurück in den mittleren Bregenzerwald ging. Kaufmann wurde Pfarrer von Egg und Großdorf. Und blieb dort 18 Jahre lang. Als Priester schätzt er am meisten, dass er für die Menschen da sein kann, als Begleiter, „von der Wiege bis zur Bahre“, wie er es ausdrückt. „Und dafür zu sorgen, dass Gott nicht vergessen wird.“ Kaufmann ist ein Seelsorger, der gerne auch einmal außerhalb der gewachsenen Strukturen denkt aber auch betont, dass die Traditionen und Rituale natürlich sehr wichtig sind.
„Kirche kann auch an anderen Orten auf verschiedenste Weise erlebbar sein. Beispielsweise in der Coronazeit fanden notgedrungen Freiluftgottesdienste in den einzelnen Kapellen statt. Und das tun sie teilweise auch heute noch“, gibt Kaufmann ein Beispiel, wie sich die Kirche auch auf neue Situationen einstellen kann. Zudem führt er gerne Gespräche mit den Menschen, außerhalb der Kirchenmauern. Bei einem Getränk bei einem Fest kommt man mit den Leuten oft besser ins Gespräch oder auf den Punkt gebracht: „Ich bin gerne da, wo die Menschen sind“, so der Priesterjubilar.
Nach 18 Jahren schließt sich das Kapitel Egg und Großdorf für Kaufmann. Der Wälder Pfarrer bleibt der Talschaft treu und wechselt mit großer Vorfreude in die Pfarre Schoppernau-Schröcken-Warth.