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Vom Gehört werden und Zuhören

Beim frauenSalon im Bildungshaus Batschuns diskutierten engagierte Frauen darüber, wie Zuhören, Sprechen und Mitsingen Menschen stärken kann.

Von Rosa Andrea Martin

 

Was passiert, wenn Menschen einander wirklich zuhören? Welche Kraft entfaltet die eigene Stimme, wenn sie gehört wird? Und wie können Stimmen dazu beitragen, Gesellschaft mitzugestalten? Durch den Abend führten Stefanie Sturn und Gertraud Burtscher, die mit ihren Fragen die unterschiedlichen Perspektiven der Referentinnen miteinander verbanden. Es sprachen die Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlerin Anne-Marie Felder, die Redakteurin der Straßenzeitung Marie, Simone Fürnschuss-Hofer, und die Musikerin und Volksmusikforscherin Evelyn Fink-Mennel über die vielfältige Bedeutung von Stimme.


Singen verbindet


Für Evelyn Fink-Mennel beginnt Stimme oft dort, wo Worte noch gar nicht notwendig sind. Mit einer gemeinsamen Singaktion machte sie gleich zu Beginn erlebbar, wie Musik Menschen verbindet. Als Ethnomusikologin beschäftigt sie sich seit vielen Jahren mit Liedern unterschiedlicher Kulturen und ihren verbindenden Kräften. „Mit Musik, der sozialsten aller Künste, kommst du unmittelbar mit jemandem aus einer anderen Kultur in Berührung“, sagte sie. Oft brauche es keine gemeinsame Sprache. Ein Lied, ein Rhythmus oder eine Melodie können Brücken bauen:
Anhand zahlreicher Beispiele aus ihrer Arbeit mit Kindern, Studierenden und Menschen unterschiedlicher Herkunft zeigte sie, wie gemeinsames Musizieren Integration und Teilhabe fördern kann. „Jede Stimme zählt“, betonte sie mehrfach. Musik dürfe nicht allein als Leistung verstanden werden, sondern als Möglichkeit, sich auszudrücken, Gemeinschaft zu erleben.
Auch für Simone Fürnschuß-Hofer spielt das Gehörtwerden eine zentrale Rolle. Als Redakteurin der Straßenzeitung Marie gibt sie Menschen eine Stimme, die in der öffentlichen Wahrnehmung oft übersehen werden. Dabei interessieren sie weniger Schlagzeilen als die Geschichten hinter den Menschen.


Gehört werden


Prägend seien für sie jene Momente gewesen, in denen sie selbst erlebt habe, ernst genommen zu werden. „Es sind diese kleinen Räume, wo man sich das erste Mal wirksam wahrnimmt und die eigene Stimme hört“, erzählte sie. Solche Erfahrungen seien besonders für Kinder und Jugendliche wichtig. Zugleich gehöre zum Erheben der eigenen Stimme auch die Bereitschaft, andere Meinungen auszuhalten. „Wenn man sich traut, Stimme zu geben, muss man aushalten lernen, dass Gegenstimme kommt“, sagte die Redakteurin. Gerade in einer Zeit zunehmender Polarisierung sei es wichtig, respektvolle Diskussionen zu ermöglichen und unterschiedliche Perspektiven gelten zu lassen.


Zuhören


Anne-Marie Felder beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Bürgerbeteiligung und demokratischen Prozessen. Für sie beginnt gesellschaftliche Veränderung mit Interesse am Gegenüber und der Bereitschaft, zuzuhören.
In Beteiligungsprozessen erlebe sie häufig, wie Menschen zunächst über Sachthemen sprechen, letztlich aber bei grundlegenden Fragen landen: Welche Werte sind uns wichtig? Was macht eine lebenswerte Gesellschaft aus? Dabei gehe es nicht nur um Leistung und Erfolg, sondern auch um Zugehörigkeit, Anerkennung und Mitgestaltung.
Der frauenSalon machte deutlich, dass Stimme weit mehr ist als ein Mittel zur Verständigung. Sie kann Menschen verbinden, Mut machen und Veränderungen anstoßen. Voraussetzung dafür, da sind sich alle einig: Ist das Zuhören.

Aus der KirchenBlatt-Ausgabe Nr. 25  vom 25. Juni 2026. 

 

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Veröffentlicht am 15.06.2026
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