
Im Evangelium erzählt uns Jesus das Gleichnis von zehn Jungfrauen, die uns mahnen, in der Wachsamkeit zu leben, und die uns aufhorchen lassen, damit wir unser Herz bereithalten für den Tag, an dem Christus, der „Bräutigam“, kommt. Auch wenn das Evangelium die Frauen in zwei Gruppen teilt, wollen alle zehn dem Bräutigam entgegengehen: Alle haben ihre Lampen bereitgemacht.
Doch als mitten in der Nacht der Ruf erschall: „Siehe, der Bräutigam“, haben nur fünf Frauen genug Öl für ihre Lampen. Sie haben einen zusätzlichen Vorrat mitgenommen. Die fünf anderen Frauen haben an kein Ersatzöl gedacht – in einer anderen Bibelübersetzung heißen sie nicht „töricht“, sondern „gedankenlos“. Sie glaubten offenbar, das Öl, das bereits in ihren Lampen war, würde ausreichen.
Dreh- und Angelpunkt des Gleichnisses ist also, ob genug Öl vorhanden ist. Das Lampenöl können wir deuten als die persönliche lebendige Beziehung zu Gott. Das ist das Vertrauen und die geistliche Kraft, die wachsen müssen, um in Krisenzeiten durchzuhalten. Es geht um ein Leben, das von innen heraus leuchtet. Jesus schließt mit den Worten: „Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.“
Wachsam zu sein bedeutet, heute dafür zu sorgen, dass unsere inneren Gefäße gefüllt sind. Sorgen wir also für das „Lampenöl“: durch das Gebet, durch das Hören auf Gottes Wort und durch ein Leben, das einen sozialen Weitblick hat. Dann ist es nicht so wichtig, wann genau Christus, der „Bräutigam“, kommt.
Sr. Petra Auzinger gehört dem Orden der Kreuzschwestern an. Sie wirkt als Seelsorgerin am Klinikum Wels-Grieskirchen.
Kontakt: sonntag@koopredaktion.at


