
Gleichzeitig werden in Österreich immer weniger Kinder getauft. Wie passt dieser Rückgang zu einem wachsenden Interesse an der Erwachsenentaufe zusammen?
Elbs: Das stimmt natürlich. Wir erleben in Österreich seit Jahren einen deutlichen Rückgang bei den Kindertaufen. Vor rund 30 Jahren wurden noch fast doppelt so viele Kinder getauft wie heute. Gleichzeitig dürfen wir die steigenden Zahlen bei den Erwachsenentaufen auch nicht überstrapazieren. Sie können den allgemeinen Trend der Säkularisierung nicht einfach umkehren. Der Theologe Marco Gallo bringt es auf den Punkt: „Die vergleichsweise hohe Zahl von Erwachsenentaufen und -firmungen widerlegt die Säkularisierung nicht, sie bestätigt sie.“ Gerade weil der christliche Glaube heute nicht mehr selbstverständlich von einer Generation an die nächste weitergegeben wird, wird die Entscheidung für den Glauben zunehmend zu einer persönlichen Entscheidung. Und genau darin liegt, glaube ich, auch die Chance: Der Glaube ist nicht mehr selbstverständlich. Aber dort, wo Menschen sich für ihn entscheiden, geschieht es aus einer persönlichen Suche und Überzeugung. Der Glaube wird dann zu einer Quelle für ein sinnvolles und glückliches Leben.
Was wünschen Sie sich von unseren Pfarren und von den ehrenamtlich Engagierten im Umgang mit Menschen, die sich als Erwachsene für die Taufe interessieren?
Elbs: „Am Ende der Suche und der Frage nach Gott steht keine Antwort, sondern eine Umarmung.“ Dieses schöne Zitat von Dorothee Sölle beschreibt für mich sehr gut die Haltung, die wir als Christinnen und Christen einnehmen sollten. Am Anfang steht die Gastfreundschaft. Menschen, die sich für den Glauben interessieren, sollen spüren: Du bist willkommen, mit deinen Fragen, deinen Zweifeln, deiner Geschichte und deinem Suchen. Und dann glaube ich, dass wir in den persönlichen Begegnungen den Mut haben sollen zu sagen: „Ich glaube an Christus und ich kann dir auch sagen, warum.“
Was erwarten Sie sich vom neuen Angebot der Erwachsenentaufe?
Elbs: Mir ist es wichtig, dass Menschen, die sich für den Glauben und ein Leben als Christin oder Christ entscheiden, auf diesem Weg nicht allein bleiben. Sie sollen mit anderen Menschen in Kontakt kommen, die ähnliche Fragen haben und sich ebenfalls auf die Suche nach Gott machen.


