
von Annelies und Joachim Nägele
Nachdem von Bregenz bis Bludenz alle Teilnehmer der Kulturfahrt aufgenommen waren – auch unsere kompetente und sehr engagierte Reiseleiterin Frau Hildegard Burtscher – ging es richtig los: Durch den Arlberg und weiter durchs Stanzer- und Inntal führte der Weg bis Kematen zur ersten Rast. Danach ging es weiter durchs Unterinntal und Bayern nach Ainring. Kurz vor der Grenze zu Salzburg gab es im Rupertihof das Mittagessen, ehe es durch Salzburg und Oberösterreich nach Niederösterreich ging. Bis zur Ankunft im Weinviertel und unserem Ziel, dem Hotel Landgut Althof Retz, hatte uns die Dunkelheit eingeholt.
Am zweiten Tag stand die Besichtigung der Stadt Retz auf dem Programm. Hier gesellte sich unser örtlicher Führer Alfred zu uns. Zuerst ging es zur Stadtkirche, sehenswert durch die barocke Ausstattung. Anschließend zum Hauptplatz, einem der größten und schönsten Marktplätze Österreichs mit dem Rathaus und der im unteren Stockwerk liegenden, mit reichhaltigen Malereien ausgestatteten Marienkapelle.
Ein Erlebnis war dann der Abstieg in den größten Weinkeller Mitteleuropas: Im Tertiär vor rund 20 Millionen Jahren war das Weinviertel ein Meer, Retz lag an der Küste (heute Waldviertel) und so konnten sich durch Verwitterung des Granit- und Gneisgesteins bis zu 30 Meter mächtige Sande bilden. Die sind heute zwar fest, aber kein Sandstein, so dass viele Kilometer Gänge unterirdisch gegraben werden konnten und das bis zu drei Stockwerken untereinander. Heute wird dort kein Wein mehr gelagert, aber die händisch gegrabenen Gänge beeindrucken noch immer. Beim Aufstieg ans Tageslicht erwartete uns zum Weinviertel passend eine erlesene Weinprobe.
Nach dem Mittagessen ging es hinauf zum Retzer Wahrzeichen, der einzigen funktionsfähigen Windmühle Österreichs, einer Holländer Mühle. Wir besichtigten die imposante Technik im Inneren und beschlossen den Tag mit gemütlichem Ausklang beim Heurigen. Der dritte Tag führte uns nach Mähren in Tschechien, zuerst in die kleine Renaissancestadt Slavonice mit den wunderschönen Häuserfassaden, reich verziert mit Graffiti. Die Stadt lag in nächster Nähe zum Eisernen Vorhang, sodass sie bis 1989 für Fremde unzugänglich war. Weiter ging die Fahrt nach der Weltkulturerbestadt Telc, dem „mährischen Venedig“ das zwischen malerischen Gewässern liegt, mit den farbenfrohen Renaissance- und Barockhäusern.
Anschließend hatten wir eine Führung durch das Schloss Telc, welches aus einer ursprünglich gotischen Burg zu einer reich ausgestatteten Renaissanceanlage umgebaut wurde. Die Besichtigung der geschichtsträchtigen Stadt Znaim, hoch über dem Steilufer der Thaya gelegen, machten wir mit E-Bus und zu Fuß.
Am nächsten Tag ging es zum Prämonstratenserstift Geras, wo einst der Kräuterpfarrer Weidinger wirkte. Auch hier bekamen wir eine kompetente Führung durch die Barockkirche, die Bibliothek und den Marmorsaal, der durch seinen Stuckmarmor beeindruckt. Man denkt dabei vielleicht an ein weniger wertvolles Marmorimitat, aber weit gefehlt: Bei Stuckmarmor konnten Struktur und Farben genau nach Wunsch gefertigt werden, er kostet aber etwa dreimal so viel wie echter Marmor. Um nicht nur den Gesichtssinn zu erfreuen, stimmte Helmut hier einen Kanon an, und siehe da, auch die Akustik des Raumes entsprach der visuellen Schönheit. Anschließend besuchten wir den Kräutergarten und den Laden, bevor es zum Mittagessen in den „Schüttkasten“ ging. Was hat es mit dem kuriosen Namen auf sich? Früher ein Lagerraum für Getreide, das hier geschüttet und getrocknet wurde, ist es heute ein vornehmes Hotel mit erlesener Gastronomie.
Am Nachmittag stand im nahen Fering der Besuch der einzigen Perlmuttmanufaktur Österreichs auf dem Programm. Früher lieferte die nahe Thaya die Muscheln. Durch Staudammbauten fallen heute keine mehr an, der Rohstoff wird aus Zuchtanlagen weltweit importiert. So werden nicht nur Perlmuttknöpfe hergestellt, sondern auch wunderschöner Schmuck in verschiedensten Formen und Farben.
Die Rückfahrt führte uns noch durch Hardegg, mit 86 Einwohnern die kleinste Stadt Österreichs, welche aber mit einer majestätischen Burg prunkt. In Retz überraschte uns der Bürgermeister im Rathaussaal mit der Verkostung des heuer prämierten köstlichen Jahresweines.
Nach der Verabschiedung von unserem Führer Alfred führte uns am letzten Tag die Heimreise übers Innviertel nach Bayern, wo in der Mittagspause in Altötting noch ein Besuch der Gnadenmutter Maria in der kleinen Wallfahrtskapelle mit vielen Votivtafeln möglich war. Sodann ging es über München und Memmingen nach Vorarlberg, wo wir mit vielen Eindrücken im Gepäck wieder ankamen.
Einen großen Anteil an der gelungenen Reise hatte auch unsere Leiterin Hildegard Burtscher mit ihrer Kompetenz, Herzlichkeit und ihrem Humor. Ihr gilt unser besonderer Dank.