
Das muss man ganz ehrlich sagen: Wenn man da hinauffährt, nach Meschach, dann fährt man innerlich den PC herunter. Man lässt den Alltag im Tal“, der Mann, der hier kurz und knapp zusammenfasst, was sich alle vier denken, ist Josef Loacker, Unternehmer aus Götzis. Die weiteren drei Herren der Runde sind: Günter Lampert, Ur-Meschacher und Mesner, Jochen Berg, dem von seiner „Telefonzentrale“ in Koblach aus Woche für Woche das fast Unmögliche gelingt (er findet immer wieder Priester für die Gottesdienste in Meschach) und Georg Schwab, der nicht nur mitorganisiert, sondern Meschach und seine (Kirchen)Geschichten historisch aufarbeitet. Zusammen sind sie Pfarrkirchenrat und Laienteam von Meschach in einem.
Sie sind ein eingespieltes Team. Kein Wunder, sie machen das ja schon ein Weilchen und sie machen es aus Überzeugung. „Es war in den 1990er Jahren, da hat mich Walter Fehle gefragt, ob ich nicht Kirchenrat in Meschach machen würde. Es seien nur etwa ein bis zwei Sitzungen im Jahr“, erinnert sich Josef Loacker und muss dabei selbst lachen. Ein bis zwei Sitzungen seien es nicht geblieben. Aber er ist geblieben und 2013 kam Jochen Berg dazu. „Ich habe damals vorübergehend die kirchlichen Mitteilungen aus Meschach ans Gemeindeblatt weitergeleitet. Was soll ich sagen. Ich mache es bis heute.“
Nach eigenen Angaben „noch gar nicht so lange als Kirchenrat dabei“ ist Georg Schwab. Dass er die Häuser-Geschichten von Meschach zusammenstellt und sich auch sonst in der kleinen Gottesdienstgemeinde hoch über Götzis einbringt, das erwähnt er ganz bescheiden und nur am Rande. „Und der Günter, also Günter Lampert, der ist sowieso schon lebendes Inventar“, meint Josef Loacker. Man gibt ihm recht. Immerhin ist Günter als Mesner tatsächlich einfach immer da. „Seit mehr als 200 Jahren ,stellt‘ die Familie Lampert die Mesner in Meschach“, lacht Georg Schwab. Überhaupt wird viel gelacht bei diesem Gespräch an einem Sommerabend in der Kirche zum hl. Wolfgang in Meschach.
Man hat in den letzten mehr als 30 Jahren eben schon einiges erlebt und auch schon gemeinsam improvisiert. Immer im besten Einverständnis mit dem Pfarrer in Götzis. Ein Vertrauensbeweis, für den alle vier dankbar sind. „Einmal, es war an einem Stephanstag, kam der „diensthabende“ Priester nicht. Sein Auto wollte nicht. Ja, was sollten wir machen. Wir konnten die Leute in der Kirche ja nicht einfach nach Hause schicken. Also haben wir kurzerhand einen Wortgottesdienst improvisiert. Kurz vor Schluss kam der Priester dann – pünktlich zum Schluss-Segen.‘“ Ja, solche Dinge geschehen. Nicht oft springt das Laienteam von Meschach als Wortgottes-Team ein. Dafür sorgt schon Jochen Berg. „Für heuer fehlt mir nur noch ein Sonntag. Sonst sind alle ,besetzt‘. Ich werde öfter gefragt, wie ich es immer wieder schaffe, Priester für Meschach zu finden. Ich meine, es ist einfach auch eine Win-win-Situation für beide Seiten und die Priester schätzen das“, erklärt Jochen Berg.
Win-win? Ja, zum einen hat dieser Ort einfach etwas Besonderes. Zum anderen ist hier natürlich, alles bestens organisiert und auch die Kleinheit des Kirchenraums hat etwas für sich. „Hier spüren die Seelsorger direkt, dass das, was sie aussenden, auch zurückkommt. Nicht selten wird über die Predigt noch auf dem Kirchplatz weiterdiskutiert. Überhaupt wird bei uns viel diskutiert. Das ist wichtig, man muss über alles reden können“, fasst es Josef Loacker zusammen.
Es stimmt, die Kirche in Meschach ist nicht groß. Etwa 100 Menschen finden angenehm Platz darin. Hier in Meschach sind die Bänke mit 40 bis 50 Kirchgänger:innen gut gefüllt. „Auch, bei uns wird es weniger. Das ist überall so. Aber wir sehen auch die Menschen, die bei Wind und Wetter beinahe jeden Sonntag heraufwandern. Wir sehen die Frau, die von Fraxern zu Fuß nach Meschach kommt oder den Mann, der nach der Messe zu uns kommt und sich zur Mitarbeit anträgt“, erzählen Josef, Günter, Georg und Jochen. Hoffentlich verpasse „die Kirche“ da nicht eine Entwicklung, die sie später nur noch schwer aufholen könne. Was man aber auch sagen muss, ist, dass Meschach eines der Beispiele ist, die zeigen, wie aus einer „Notsituation“ etwas Neues entstehen kann. „Es war 1974. Damals kam Pfarrer Roman Kopf aus Nofels hierher nach Meschach, um seinen Ruhestand zu verbringen. Bis 1990 war er hier und als es nicht mehr ging, hat er Walter Fehle das Versprechen abgerungen, dass er sich um die Kirche in Meschach kümmere“, erklärt Georg Schwab. Das hat „der Fehle“ getan, bis er nicht mehr konnte und die „nächste Generation“ übernahm.
Es geht also weiter in Meschach. Jochen Berg hat die Gottesdienstliste für das kommende Jahr längst schon in Planung und die Anmeldungen laufen bereits. Georg Schwab recherchiert für die nächsten „Häuser“-Geschichten von Meschach und Günter Lampert hat mit zwei Mesner-Ehepaaren jetzt sogar noch Unterstützung bekommen. Und Josef Loacker? Der misst die Stunden, die er für Meschach in den ein bis zwei (oder eben auch mehr) Sitzungen pro Jahr aufbringt, nur noch in Zentimeter an Papier. Auf einen halben Meter ist der Stapel in seinem Büro schon angewachsen. Abarbeiten werde er ihn dann im Winter. Dann ist mehr Zeit. Also, vielleicht. Außer es kommt etwas dazwischen. Ein Sonntagsgottesdienst in Meschach zum Beispiel. Aber dann geht es eben hinauf und der Alltag bleibt einfach im Tal. Veronika Fehle