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Vom Norden Argentiniens bis nach Vorarlberg

Der 35-jährige Steyler Missionar Delfor Nerenberg ist neuer Jugendseelsorger der Katholischen Kirche Vorarlberg.

Es ist ein Weg von über 11.000 Kilometern, der Delfor Nerenberg nach Vorarlberg geführt hat – und am Ende war es eine bewusste Entscheidung. Der 35-Jährige, geboren im Nordosten Argentiniens nahe der Grenze zu Brasilien und Paraguay, ist seit einem Jahr als Jugend- und Jungscharseelsorger Vorarlberg tätig und mittlerweile eine feste Anlaufstelle für junge Menschen geworden.


Ein weiter Weg

Im Jahr 2009 trat Delfor bei den Steyler Missionaren ein und begann seine Ausbildung: ein Jahr in Córdoba, ein Jahr in Paraguay, sieben Jahre in Chile. Während seines Theologiestudiums beschäftigte er sich intensiv mit Fragen von Säkularisierung und einer sich wandelnden Kirche.

2017 kam er im Rahmen eines interkulturellen Praktikums erstmals nach Österreich und arbeitete ein Jahr lang in Bischofshofen: in der Schule, der Pfarre und wo es ihn sonst noch brauchte. Diese Zeit prägte ihn so nachhaltig, dass er sich am Ende seines Studiums entschied, als Missionar nach Österreich zurückzukehren. 2022 war es so weit. Nach einem Kurzaufenthalt in Wien kam er auf Anfrage des Provinzials nach Vorarlberg – zunächst drei Jahre nach Dornbirn und seit einem Jahr ist er als Seelsorger im Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast und Jugend- und Jungscharseelsorger Vorarlberg am Marktplatz 4 tätig.


Gemeinschaft leben

Für Delfor hat sich das Verständnis von Glauben über die Jahre verändert. Prägte ihn als Kind vor allem seine Familie, war es als Jugendlicher die Gemeinschaft in Pfarre, Musik- und Jugendgruppe, die ihn trug. Bei den Steyler Missionaren erlebt er bis heute: Glaube ist etwas, das verbindet – Freude wird geteilt, in schweren Zeiten ist jemand da.

Mit den Jahren ist eine weitere Dimension dazugekommen: die Frage nach Sinn und Ziel des Lebens. „Jetzt denke ich, dass Glaube viel mit Gemeinschaft zu tun hat, aber auch viel mit dem Leben selbst: was das Leben wirklich bedeutet, was wir suchen“, beschreibt er es.


Eine offene Kirche als Ziel

In seinen Gesprächen mit Jugendlichen erlebt der Jugendseelsorger immer wieder tiefgehende Fragen – nach der Existenz Gottes, der Auferstehung, aber auch ganz persönliche Fragen rund um Lebensentscheidungen und Probleme. Sein Zugang dazu ist bewusst zurückhaltend: nicht Antworten liefern, sondern begleiten und zuhören. „Die Themen der Gespräche gehen oft sehr in die Tiefe. Da möchte ich einfach da sein und den Menschen das Gefühl geben, dass sie damit nicht alleine sind“, sagt er. Genau diese Haltung – präsent und mitfühlend zu sein – schaffe nach seiner Erfahrung eine tiefe Verbindung, gerade dort, wo zu Hause oder im Freundeskreis nicht alles ausgesprochen werden kann.

Auf die Frage, wie sich Kirche entwickeln müsse, um näher an den Jugendlichen zu sein, hat Delfor eine klare Haltung: Es brauche eine Kirche, die wirklich zuhört – nicht nur hört, sondern wahrnimmt, was junge Menschen suchen und brauchen. Er ist sich bewusst, dass diese Forderung nicht neu ist, sondern seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil im Raum steht. Der Wandel alter Strukturen falle schwer, weil sie auch Sicherheit geben. Doch seine Überzeugung bleibt: „Die Jugendlichen sind diejenigen, die die neue Kirche gestalten werden.“


Mitten im Geschehen

Die Funktion des Jugendseelsorgers bringt es mit sich, dass Delfor regelmäßig am Marktplatz 4 in Feldkirch anzutreffen ist. Im Büro der Jungen Kirche Vorarlberg stehen die Türen dienstags und donnerstags, beim Coworking zwischen 13 und 17 Uhr, oder etwa beim Bierbel, bei der Feierabendmeditation und beim Bible Journaling offen. Darüber hinaus gibt es auch einige Angeboten in St. Arbogast. Auch über Social Media ist Delfor Nerenberg erreichbar und lädt offen dazu ein, sich einfach bei ihm zu melden – für ein Gespräch oder einen Kaffee. „Wenn man zum Coworking vorbeischaut, freu ich mich natürlich immer über eine gemeinsame Pause“, fügt er abschließend hinzu.

Zur Person

Delfor Nerenberg

Jugendseelsorger in Vorarlberg

Delfor Nerenberg (35) wurde im Nordosten Argentiniens geboren und ist Mitglied der Steyler Missionare. Seine Ausbildung führte ihn über Córdoba, Paraguay und Chile schließlich nach Österreich. Seit 2022 lebt er dauerhaft in Vorarlberg, war hier zunächst drei Jahre in der Pfarrarbeit in Dornbirn tätig und ist seit einem Jahr als Seelsorger im Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast und als Jugend- und Jungscharseelsorger für Vorarlberg engagiert.J

Aus der KirchenBlatt-Ausgabe Nr. 38 vom 15. Oktober 2026.

 

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Veröffentlicht am 01.10.2026
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