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Anderen das Glauben erleichterm

Die neue Glaubens-Serie mit Andreas Batlogg SJ

„Wenn man einmal eine Meinungsbefragung machen würde zu dem sonderbaren Thema: Was halten Sie von Heiligen? – ich glaube, es würde eine große Vielfalt von Antworten geben. Möglicherweise hätte die Antwort: ,Heilige? – interessiert mich nicht‘, darunter keinen Seltenheitswert.“ Das lese ich bei Johannes Bours (1913–1988) in der Neuauflage seines Buches „Nehmt Gottes Melodie in euch auf“, das 1985 erstmals erschien. Bours war jahrzehntelang Spiritual in Münster und begleitete junge Männer auf ihrem Weg zum Priestertum. Er war außerdem ein erfolgreicher spiritueller Autor. Der neue Wiener Erzbischof Josef Grünwidl hat für die Neuauflage ein Geleitwort beigesteuert, weil sein Wahlspruch dieses Wort des Märtyrerbischofs Ignatius von Antiochien übernimmt: „Melodiam Dei recipite“, eben: Nehmt Gottes Melodie in euch auf.

 

Von Heiligen trennen uns doch Welten ...


Bours spricht ein Verständnis von Heiligen und Heiligkeit an, das zwar ein Zerrbild, aber längst nicht überwunden ist, und er schreibt weiter: „Wir denken: Heilige? Ihre Bilder stehen in der Kirche, seltsam entrückt auf Altären, Postamenten, hoch an den Säulen. Sind wir nicht heute durch Welten von ihrem vergangenen Leben getrennt? Mancher hat ein Bild von den Heiligen, von dem man eher sagen könnte: Seine Heiligen sind Menschen, durch die es anderen schwerer wird, zu Gott zu kommen!“ Dem setzt Bours entgegen: „Heilige sind Menschen, durch die es anderen leichter wird, an Gott zu glauben.“

 

Lieblingsheilige und Fragezeichen


Das hallte in mir nach. Sofort fallen mir einige Namen ein, die mir besonders lieb geworden sind: Franz von Assisi, Philipp Neri, Ignatius von Loyola, Teresa von Ávila oder, aus neuerer Zeit, Charles de Foucauld und Mutter Teresa von Kalkutta. Daneben verblassen andere Heilige. Verwundert hat mich immer, dass die Kirche Päpste heiliggesprochen hat – allein vier des 20. Jahrhunderts: Pius X. (1954), Johannes XXIII. (2014), Paul VI. (2018) und Johannes Paul II. (2014). An diese Praxis, die sich teils auf „Santo subito!“-Forderungen („Heilig sofort!“) berief, kann man Fragezeichen anbringen.

 

Will ich wirklich heilig sein?


Gestolpert bin ich über eine Zeile auf der Webseite des Zentrums Johannes Paul II. in Wien, das die Legionäre Christi betreiben: „Ich will heilig werden. Wirklich. Und du?“ Nach über vierzig Ordensjahren ließen mich dieses evangelikal wirkende Bekenntnis und die Frage nicht kalt. Unwillkürlich hörte ich fiktive Bedenkenträger, die teils ironisch, teils aggressiv nachhaken könnten: „Du willst heilig werden?“, „Spinnst Du?“, „Bist Du total übergeschnappt?“ – Warum eigentlich?


Heilige: Das sind doch „Supermenschen“, spirituelle oder asketische Spitzensportler:innen sozusagen. Irgendwie besonders, aber eben auch ein bisschen skurril. „Jenseitig“ lautet manchmal der leise Spott dafür. „Salz der Erde“ oder „Licht der Welt“ sind biblische Bilder für christliche Existenz. Sie bleiben abstrakt, solange sie nicht mit konkreten Lebensgeschichten verbunden werden. Deswegen hat Johannes Bours schon recht: „Heilige sind Menschen, durch die es anderen leichter wird, an Gott zu glauben.“

Bodmer

Christliche Lebenskunst

Sind Heilige arrogant oder lebensfremd? Wozu ist das Heiligsein überhaupt gut, und was hat es mit uns zu tun? Andreas Batlogg greift heikle Fragen mit Leichtigkeit auf und findet neue
Antworten.

 


Andreas Batlogg SJ
Jesuit, Theologe, Autor
Buchtipp

Heilig sein 2.0

Heilig sein 2.0 – Christliche Lebenskunst im 21. Jahrhundert, von Andreas R. Batlogg, Verlag Herder, 1. Auflage 2026, 192 Seiten, € 20,60 (Hardcover) oder € 13,99 (eBook)
Hinweis: Das Buch erscheint am 17. August und kann bereits vorbestellt werden.

Aus der KirchenBlatt-Ausgabe Nr. 30  vom 20. August 2026. 

 

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Veröffentlicht am 16.08.2026
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