
Die Lesungen und das Evangelium lösen in mir zahlreiche Bilder aus: von wachsenden Pflanzen, kleinen Knospen, die auf den Zeitpunkt ihrer Blüte warten, bis hin zu saftig grünen Blättern, die hoch oben ein üppiges Blätterdach bilden. Ich schätze mich überaus glücklich, dass ich diese inneren Bilder beim Blick aus meinem Fenster tatsächlich vor Augen habe. Denn wie Paulus schreibt, ist auch die Schöpfung der Vergänglichkeit unterworfen und den Menschen ausgeliefert. Die Schöpfung seufzt – und wer lauscht, kann es hören. Mit der Schöpfung seufzen auch die Menschen. Dieses Seufzen kann als ungeduldiges Warten oder sehnsüchtiges Hoffen verstanden werden.
Von meinem aktuellen Standpunkt aus klingt darin jedoch auch etwas Mutloses und Erschöpftes mit. Wenige Menschen verbrauchen einen großen Teil der Ressourcen, die uns allen zur Verfügung stehen. Umwelt und Mitmenschen leiden unter dem Konsum einiger weniger. Ich gehöre zu denen, die zu viel haben und zu viele Ressourcen verbrauchen. Auch ich seufze – aus Angst, Hoffnungslosigkeit und Erschöpfung.
Die Bewahrung der Schöpfung und das Wohl aller Menschen hängen untrennbar zusammen. Es sind nicht zwei voneinander getrennte Krisen, sondern es ist eine komplexe sozioökologische Krise, die ganzheitliche Lösungsansätze erfordert. Das schreibt Papst Franziskus bereits 2015 in seiner Enzyklika Laudato si’ (Nr. 139).
Ich trage dafür Verantwortung. Durch mein Konsumverhalten, meine politischen Entscheidungen und die vielen kleinen Handlungen des Alltags gestalte ich mit. Denn auch wenn wir auf ein Leben in Gott hoffen dürfen, leben wir im Hier und Jetzt und tragen Mitverantwortung für die Schöpfung.
Diese Schöpfung seufzt. Ich blicke aus dem Fenster und frage mich, wie lange ich das üppige Grün noch genießen darf.
Hannah Bilgeri ist Pastoralassistentin in Ausbildung in der Pfarre Bruder Klaus in Dornbirn-Schoren.
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