
Lesen Sie den vollständigen Artikel aus der KirchenBlatt-Ausgabe Nr. 12 vom 26. März 2026.
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von Elisabeth Heidinger
Es gibt Landschaften, die wirken, als lägen sie außerhalb der Geschichte, gelagert zwischen Fels, Wald und Naturidylle und doch schreiben sich Gewalt und Herrschaft oft gerade in abgelegene Räume am tiefsten ein. In Küngswald, hoch über dem Tal, auf der Schattenseite unter dem Roten Schrofen, wurde Delphina Burtscher am 13. Juli 1926 geboren, als dreizehntes von vierzehn Kindern, hineingestellt in ein Leben aus Arbeit, Kargheit und früher Verantwortung. Genau dort, wo die karge Bergwelt wenig Spielraum ließ, brachte sie jene Haltung hervor, die später beharrlicher Widerstand bedeutete.
Delphinas Leben bündelt vieles, was das 20. Jahrhundert an Härte bereithielt: Bergbauernkindheit im hintersten Walsertal, Entbehrung, frühe Todeserfahrungen, später die Lawinenkatastrophe von 1954, die sie mit ihren Kindern nur knapp überlebte, und danach ein neuer Anfang, schließlich in Nenzing, wo sie mit ihrem Mann Pirmin und acht Kindern lebte. Dass sie rückblickend dennoch schreiben konnte, man habe „trotz allem gute Zeiten erlebt“, macht Delphina Burtschers Gestalt so bemerkenswert: In ihr bestanden Tragik, Witz, Frömmigkeit, Zähigkeit und eine Lebensfröhlichkeit gleichermaßen nebeneinander.
Die politische Geschichte dieser Frau beginnt im Alltäglichen. Vier ihrer Brüder mussten in den Krieg; zwei von ihnen, Willi und Leonhard, machten irgendwann nicht mehr mit. Gemeinsam mit Delphinas späteren Geliebtem Martin Lorenz entzogen sie sich der Wehrmacht und versteckten sich in der gebirgigen Umgebung des Elternhauses und waren fortan auf jenes fragile Gewebe aus Versorgung, Verschwiegenheit und Fürsorge angewiesen, ohne das keine Desertion länger als ein paar Tage überlebt hätte. Delphina hielt den Hof zusammen, versorgte die versteckten Männer, trug Nahrung in das gefährliche Dazwischen von Haus und Berg. Nach rund einem Jahr des Versteckens...
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