
Von Sr. M. Anastasia Franz
Vor über fünf Jahren ist Maher Dali aus Syrien geflohen. Heute wohnt er mit seiner Mutter in Dornbirn. Seine fünf Geschwister leben verstreut in allen Teilen der Welt. Seinen Vater hat er leider verloren. Vor dem Krieg lebte die Familie ein einfaches Leben. So gab es beispielsweise nur einmal pro Tag eine Mahlzeit. Maher ist im Krieg aufgewachsen – ohne gesicherte Unterkunft. Jeden Monat lebte er an einem anderen Ort, um vor Bomben geschützt zu sein.
Trotz dieser Vergangenheit blickt der junge Syrer zuversichtlich nach vorne und plant seine Zukunft: Der junge Mann absolviert einen Lehrgang an der Kathi-Lampert-Schule in Götzis zur Vorbereitung auf die dreijährige Ausbildung zum Familienhelfer an der Schule für Sozialbetreuungsberufe (SOB) in Bregenz. Familienhelfer:innen betreuen Familien in schwierigen Situationen, zum Beispiel, wenn ein Kind eine Beeinträchtigung hat oder etwa bei Erziehungsproblemen.
Maher lebt von seinem Praktikumslohn: „Ich bin damit zufrieden, denn ich brauche nicht viel Geld. Mir ist wichtig, dass ich die Wohnung bezahlen kann und Geld habe, um Essen zu kaufen“, erklärt er.
Nach seiner Ausbildung will er berufsbegleitend Soziale Arbeit studieren. Doch dem jungen Mann liegt nicht nur seine eigene Zukunft am Herzen. Maher engagiert sich auch aktiv für andere. Aus diesem Grund engagierte es sich eine Zeit lang ehrenamtlich bei einem Sprachtreff der Caritas Vorarlberg. „Dort kommen Leute zusammen, um Konversation zu üben“, sagt er. Das Nachfolgeprojekt hieß „Unter die Leute“. Dabei gehen Migranten und ihre freiwilligen Betreuer gemeinsam unter die Leute: „Wir schauten uns unterschiedliche Gebäude an, zum Beispiel die Kirche“, sagt er und führt weiter aus: „Es war sehr interessant, dass Flüchtlinge in die Kirche gingen, um sie anzuschauen.“
Aktuell hat Maher Dali zwar sein Engagement bei der Caritas pausiert, unabhängig davon engagiert er sich auch privat für Flüchtlinge. Das Sprachtalent spricht Kurdisch, Arabisch, Türkisch, Englisch und Deutsch: „Ich liebe es, Sprachen zu lernen. Sprachen sind für mich sehr wichtig, denn sie helfen mir, Menschen zu verstehen und verstanden zu werden“, berichtet er. Deshalb stellt er seine Sprachkenntnisse anderen Flüchtlingen zur Verfügung. Er dolmetscht bei Behördengängen, hilft ihnen bei bürokratischen Angelegenheiten und erklärt mit einfachen Worten, was zu tun ist. Er macht das unentgeltlich, denn: „Ich möchte mich freiwillig und von Herzen für die Menschen einsetzen. Das liegt in meinen Genen und ich habe Freude daran“, erzählt der sprachbegabte Helfer.
Dank seines großen ehrenamtlichen Einsatzes auch er einer der jungen Menschen, die im Rahmen der Initiative „Das junges Herz Vorarlbergs“ ausgezeichnet wurden. Besonders beeindruckt hat ihn an der Dankesparty im ORF-Landesfunkhaus in Dornbirn, dass das Engagement junger Menschen wertgeschätzt wird.