
Sünde und Tod – Was am Anfang bedrohlich klingt, stellt einen alltäglichen Teil unseres Lebens dar.#
Lange Zeit fiel es mir schwer, mich mit dem Wort „Sünde“ anzufreunden. Vor allem der Begriff der „Erbsünde“ hat mich als Schülerin irritiert. Der Gedanke, dass ich in Sünde und Schuld hineingeboren werde und dies mittragen muss, erschien mir ungerecht. Mittlerweile verstehe ich darunter meine Unvollkommenheit und die Verstrickung in gesellschaftliche Strukturen. Dadurch ist „die Sünde“ für mich greifbarer geworden. Sie ist tatsächlich überall – und in jeder und jedem von uns.
Wenn ich auf die vergangene Woche zurückblicke, fallen mir einige Dinge auf, die ich unter einem weiten und offenen Verständnis von Sünde einordnen würde: zwischenmenschliche Verstrickungen, Ungeduld, Kurzsichtigkeit, die Vernachlässigung von Beziehungen oder auch Abwertungen mir selbst gegenüber. Sünde ist ein Teil von mir, weil auch meine Fehlerhaftigkeit zu mir gehört.
Damit möchte ich weder Verletzungen noch Diskriminierungen gegenüber anderen Menschen rechtfertigen. Vielmehr geht es mir darum, die eigene Sündhaftigkeit nicht als etwas grundsätzlich Abstoßendes oder Böses zu betrachten. Ich kann scheitern. Ich darf scheitern. Und ich darf umkehren und neu beginnen.
In der Lesung wird uns die Gnade Gottes zugesagt – trotz unserer Sündhaftigkeit. Das ist ein unverdientes Geschenk. Gleichzeitig glaube ich, dass wir dazu berufen sind, die Botschaft Jesu im Rahmen unserer Möglichkeiten einzuüben und zu leben. Jede und jeder von uns ist gefordert, wenn es darum geht, ein gutes Leben für alle zu ermöglichen. Gottes Liebe ist nicht an Geschlecht, Identität, Sexualität, Herkunft oder Sprache gebunden. Unsere sollte es auch nicht sein.k.
Hannah Bilgeri ist Pastoralassistentin in Ausbildung in der Pfarre Bruder Klaus in Dornbirn-Schoren.
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