
Die Apostel kehrten nach Jerusalem zurück – so hatte es Jesus ihnen kurz vor seiner Himmelfahrt angeordnet – und warteten ab, wie es nun weitergehen sollte. Gemeinsam mit den Frauen und Maria verharrten sie einmütig im Gebet. Einmütigkeit ist mehr als gemeinsam beten, es bedeutet eins zu werden im Gebet, um zu erkennen, was Gottes Plan ist. Ganz auf ihn ausgerichtet sein. Nicht auf die eigene Meinung zu setzen oder zu glauben, selbst genau zu wissen, was jetzt zu tun ist.
Sie gehen in die Stille, ins Gebet.
Und diese Einmütigkeit wird es vermutlich auch gebraucht haben, war doch der Kreis der Apostel alles andere als homogen.
Da sind Jakobus und Johannes, die von Jesus Donnersöhne genannt wurden,
da sie öfters aneinandergeraten sind.
Im Kreis der Apostel befindet sich Simon der „Zelot“. Die Zeloten waren gleichsam Partisanenkämpfer, die Anschläge verübt haben gegen die damalige römische Besatzungsmacht. Und dann ist da noch Matthäus, der als Zöllner mit der römischen Besatzungsmacht gemeinsame Sache machte. In dieser Gruppe hat auch Thomas Platz, der die Auferstehung erst begreift, als er in die Wundmale Jesus greifen kann. Und Jesus setzt auf Petrus an vorderster Stelle, der beim Verhör Jesu Angst hatte und verleugnete, ihn zu kennen.
Jesus sucht keine perfekten Menschen, er sucht sich unterschiedliche Charaktere mit teilweise divergierenden Weltanschauungen aus. Offensichtlich will er
die Buntheit der Nachfolge. Er vertraut ihnen, dass sie seine Frohe Botschaft verbreiten werden. Das einmütige Gebet, das Warten, um die Führung Gottes zu erkennen, steht am Beginn ihrer Aktivitäten.
Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
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