
Es gab in Jerusalem zwei judenchristliche Gruppen, nämlich die alteingesessenen Aramäisch sprechenden Hebräer und die zugewanderten Hellenisten mit griechischer Muttersprache.
Diese zugewanderten Hellenisten begehren auf, ihre Witwen werden bei der Verteilung der Lebensmittel schlechter behandelt. Die Apostel hören diese Kritik. Die Versorgung der Menschen und die Verteilung von Gütern war in ihrer Zuständigkeit. Die Kritik war also direkt an sie, an die Leitung gerichtet.
Aber sie reagieren nicht verschnupft. Sie rufen eine Versammlung ein, um gemeinsam eine Lösung zu finden, die allen Gemeindemitgliedern und allen Aufgaben gerecht werde. Ihre Entscheidung löst den Konflikt nicht, indem Bestehendes repariert oder angepasst wird und den Verantwortlichen noch mehr Arbeit aufgeladen wird. Sieben Männer werden, auf Vorschlag der Hellenisten, ausgewählt, um sich um die armen Witwen zu kümmern.
Mit heutiger Sprache würden wir von einem gelungenen, mitarbeiterorientierten Personalmanagement sprechen. Die Leitung hört zu, nimmt die Kritik ernst und versucht gemeinsam mit allen das Problem zu lösen. Die Apostel nützen die Expertise der Menschen an der Basis und laden
die Hellenisten ein, Lösungsvorschläge zu machen.
Am Ende des Prozesses stehen neue Strukturen und neue Köpfe. Ein Personalmanagement, das wohl anderen positiv auffällt: Immer mehr wollen sich diesen Judenchristen anschließen, die einen neuen Stil des Miteinanders leben,
auf der Basis der Frohen Botschaft.
Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
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