
Ingmar Jochum
Die Gemeinde Höchst wird am kommenden Wochenende Schauplatz einer Premiere. Vom 11. bis zum 14. Juni dreht sich beim „umweltVestival X Ressourcenfest“ im Bereich des Kirchplatzes alles um Natur, Ressourcen und gemeinsames Erleben. Zum Programm gehören abwechslungsreiche Aktivitäten und Events wie eine Kleidertauschbörse, ein Pub-Quiz für Groß und Klein, ein Upcycling-Workshop, Open-Air-Kino und eine sehenswerte Ausstellung der Pfarre Höchst. Diese kann ab Donnerstag,
11. Juni, besichtigt werden, sobald die Kirche geöffnet ist. Darüber hinaus ist geplant, die Ausstellung auch nach dem umweltVestival noch länger für interessierte Besucher:innen zugänglich zu machen.
Unter dem Titel „Wer in diesem Land die Arbeit macht“ rückt der Bregenzer Illustrator Daniel Lienhard Menschen ins Zentrum, die für das Funktionieren unserer Gesellschaft unverzichtbar sind, aber oft wenig Anerkennung erhalten. Dazu gehören etwa Supermarktkassiererinnen, Fernfahrer, Paketboten oder 24-Stunden-Pflegerinnen. Ingo Schobel, Mitglied des Pfarrkirchenrates (PKR) in Höchst, wurde beim Besuch der Ausstellung in St. Gerold im vergangenen Jahr auf die Werke Lienhards aufmerksam und engagierte sich, diese in der Rheindeltagemeinde zu präsentieren. Ab Donnerstag ist es nun so weit. Neben den Bildern erwarten die Besucher:innen digitale Präsentationen, Filmvorführungen und weitere Impulse. Bei angenehmer Witterung kann auch der Raum im Umfeld des Gotteshauses mitgenutzt werden.
In den Kontext der Ausstellung eingebettet werden kreativ gestaltete Inhalte der Pfarre. Federführend machte sich Religionslehrerin Christine Andres Gedanken, wie man die zentrale Aussage der Ausstellung erweitern und ausbauen könnte. Die zu vermittelnde Botschaft sollte sein, dass jeder Mensch wertvoll und seine Würde unantastbar ist. Sehr treffend bringt es in diesem Zusammenhang der Psalm 139 auf den Punkt: „Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin. Ich weiß es genau: Wunderbar sind deine Werke.“ In diesem Sinne haben 250 Volksschüler:innen Portraits gemalt, die ebenfalls Teil der Ausstellung sind. Auf diese Weise setzten sich die Kinder kreativ mit der Botschaft auseinander, dass jeder Mensch einzigartig und wertvoll ist. Nach langen Vorbereitungen kann es nun losgehen.
Die Ausstellung „Wer in diesem Land die Arbeit macht“ kommt nun auf Initiative von Ingo Schobel nach Höchst. Der kreative Kopf dahinter ist Illustrator und visueller Gestalter Daniel Lienhard: „Ich wollte schon lange einmal etwas über Leute in prekären Arbeitsverhältnissen machen. Aber ich wusste nicht, wie. Angefangen hat mein Interesse, als mir die vielen Lastwagen auffielen, die sich Nacht für Nacht auf den Rastplätzen der Autobahn drängen, weil die Fernfahrer ja irgendwo übernachten müssen. 40 Tonnen schwere, dunkle Zeugen inakzeptabler Arbeitsbedingungen in unserem Land, vor unseren Augen. Diese einsamen Fahrer aus Rumänien oder der Slowakei, die den ganzen Tag in ihrer Kabine sitzen und nachts in der gleichen Kabine schlafen“, so Lienhard. Die ständige Trennung von ihren Familien und die harten Arbeitsbedingungen dieser Menschen beschäftigten den Künstler.
Als er eine Statue von Benedetto il Moro sah, wusste er, „mit dem will ich etwas machen, etwas über moderne Sklaverei“, wie es der Künstler ausdrückt. Benedettos Legende zeige ganz deutlich, dass sich seit dem 16. Jahrhundert diesbezüglich nicht sehr viel verändert habe. Ein dunkelhäutiger Migrant als Ernte-Sklave in Süditalien. „Dafür müssten wir eigentlich nicht fünf Jahrhunderte zurück, das haben wir heute vor der globalen Haustür. Benedetto arbeitet in meiner Serie übrigens bei der Müllabfuhr.“
Also hat Lienhard Abbildungen von ausdrucksstarken Heiligenstatuen gesammelt und diese anstelle der realen Arbeiter:innen in die Arbeitsplatz-Szenen einmontiert. Und hat damit Werke geschaffen, die auffallen und zum Nachdenken anregen. Beispielsweise sitzt die Muttergottes mit ihrem Kind in der S-Bahn.
Ziel der Ausstellung ist es, die Menschen für ihre Arbeit zu würdigen, die so wichtig für unser aller Leben ist, jedoch kaum oder oft gar nicht wertgeschätzt werden. „Wir müssen sie in unserem Alltag ja nicht gleich zu Heiligen machen, aber wir können sie ansehen und das würdigen, was sie für uns tun“, so Lienhard, der ergänzt: „Für mich als Gestalter ist diese ganze Geschichte eine ganz interessante und neue Erfahrung: Diese Ausstellung ist ein absoluter Selbstläufer. Sie hat vor Höchst bereits an 27 Orten Station gemacht. Und ich habe dafür keinen Finger gerührt, habe keinen Ausstellungsort selber gesucht. Es ergab sich alles.
Die Ausstellung wird irgendwo gezeigt, jemand sieht sie dort und fragt an, ob er sie in seinem Umkreis auch zeigen könne. So nun auch in Höchst.“ Die Ausstellung war unter anderem schon in St. Gerold, Wien, Salzburg, Bad Reichenhall, Magdeburg, Fulda, Halle an der Saale, Stuttgart, St. Gallen, Zürich, Appenzell oder in Bern. Sie ist zwar nicht so konzipiert gewesen, wurde aber eine echte Wanderausstellung. Die Bilder laden dazu ein, genauer hinzusehen – auf jene Menschen, deren Arbeit unseren Alltag ermöglicht und die dennoch oft im Verborgenen bleiben.
Ab 11. Juni in der Pfarrkirche Höchst
Beim umweltVestival X Ressourcenfest auf und um den Kirchplatz der Gemeinde Höchst dreht sich alles um Umwelt, Ressourcen und gemeinsames Erleben. Die Austellung „Wer in diesem die Arbeit macht“, erweitert durch die Pfarre Höchst, kann ab 11. Juni in der Kirche und bei guter Witterung auch im Umfeld des Kirchplatzes besucht werden.
Mehr über Daniel Lienhard erfährt man auf: www.lienhardillustrator.com