
Lesen Sie den vollständigen Artikel aus der KirchenBlatt-Ausgabe Nr. 12 vom 26. März 2026.
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von Clemens Fessler
Die Darstellungen von Passionsszenen mit den verschiedenen Stationen aus der Leidesgeschichte Christi finden sich seit dem Mittelalter in vielen Kirchen und Kapellen. Das häufigste Motiv dabei ist sicherlich die Kreuzigung. Nach dem Tod am Kreuz werden vor allem auch die Abnahme vom Kreuz, die Pieta oder die Grablegung dargestellt.
Dem Grab selbst wurde zunächst keine große Aufmerksamkeit geschenkt. Dies änderte sich erst, nachdem Pilger aus dem Heiligen Land zurückkehrten und Nachbildungen des Grabes als Erinnerung an ihre Pilgerreise errichteten. Diese Ostergräber dienten, ähnlich wie die Krippendarstellungen zu Weihnachten, dazu, dem einfachen Volk die Geschehnisse bildhaft darzustellen und plausibel zu machen.
Vor allem die typischen, mit Wasser gefüllten bunten Glaskugeln, die von hinten beleuchtet werden, sollten rasch zu einem zentralen Element der Ostergräber werden. Was heute manche als kitschig empfinden mögen, übte damals, in einer Zeit ohne elektrisches Licht, eine besondere Faszination auf die Menschen aus.
Über die Bedeutung der einzelnen Farben gibt es unterschiedliche Theorien. So werden die verschiedenen Regenbogenfarben oft als Symbol für die Treue Gottes zu den Menschen oder als Bild für das erwachende Leben und die Natur im Frühling gedeutet. Die mit goldgefärbtem Wasser gefüllte Kugel in der Mitte der Grabnische steht als Symbol für die Auferstehung und das göttliche Licht. Für die Menschen der damaligen Zeit war diese Darstellung der Ostergräber sicherlich spektakulär und so wurden sie rasch zu einem wichtigen Teil der Karwochen-Andacht und der Volksfrömmigkeit.
Unter Kaiser Joseph II. wurden aber diese Darstellungen verboten, da sie als „Sensationen“ die wahre Andacht der Gläubigen behindern würden. Nach einem neuerlichen Aufschwung im 19. Jh. fand der Brauch, Ostergräber aufzustellen, mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ein plötzliches Ende. Viele Priester fanden diese Darstellungen als nicht mehr zeitgemäß und verbannten die Ostergräber auf den Dachboden oder entsorgten sie ganz.
In Vorarlberg geriet dieses alte Brauchtum nie ganz in Vergessenheit. So wurden in einzelnen Pfarrgemeinden, wie zum Beispiel in Schoppernau, die Ostergräber weiterhin aufgestellt. In den letzten Jahren kam es zu einer wahren Renaissance der Ostergräber. Viele wurden, oft zufällig, wiederentdeckt, teilweise aufwändig restauriert und in der Karwoche wieder aufgestellt.

In 35 Kirchen und Kapellen im ganzen Land werden in Vorarlberg heuer wieder die unterschiedlichsten Ostergräber aufgestellt sein. Eine genaue Aufstellung aller Ostergräber in Vorarlberg findet sich auf der Homepage www.krippevorarlberg.at unter der Rubrik „Hl-Gräber-in-Vorarlberg-und-Dreiländereck“.
Der Landeskrippenverband Vorarlberg hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle diese Ostergräber zu erfassen und zu katalogisieren. Entsprechend würden sich die Verantwortlichen freuen, von weiteren, noch nicht bekannten Ostergräbern im Land zu erfahren. Wer Informationen über ein Ostergrab in seiner Nähe hat oder es Fragen zum Thema „Ostergräber“ gibt, kann gerne den Landeskrippenverband unter info@krippevorarlberg.at kontaktieren.
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