
Von Sr. M. Anastasia Franz
In der Hittisauer Pfarrkirche zu den drei Heiligen Königen gibt es nicht die klassische Weihnachtskrippe, sondern eine Jahreskrippe, die Woche für Woche eine neue Geschichte erzählt. Jede Woche setzt die über 80-jährige Hittisauerin Paula Bechter das jeweilige Sonntagsevangelium mit Erzählfiguren und anderen Materialien um – eine Aufgabe, die sie mit großer Liebe und Sorgfalt erfüllt.
Nach der Haushaltungsschule in Gauenstein absolvierte Paula Bechter die vierjährige Ausbildung zur Arbeitslehrerin in Innsbruck: Handarbeit und Kochen standen auf dem Stundenplan. Von 1967 bis 1983 hatte sie Dienststellen in Fußach, Hard und Höchst. Ihr großes Interesse an der Bibel und an der Religion führte sie 1974 zum Abschluss des Theologischen Fernkurses. Im selben Jahr startete sie voll durch: Sie begann in Fußach Religion zu unterrichten und tat dies später auch in Hittisau.
1981 lernte sie durch Zufall die Erzählfiguren von Doris Egli kennen. Die Arbeit mit den Figuren faszinierte Paula Bechter sofort. Das Religionspädagogische Institut Feldkirch suchte zu diesem Zeitpunkt eine Kursleiterin, weil Frau Egli dauernd ausgebucht war. So erhielt die Religionslehrerin das Angebot, dieses Handwerk zu erlernen, und nahm es begeistert an. Zuerst erlangte sie die Befähigung für die 30 cm Figuren und dann für die 50 cm Figuren. Letztere werden in der Hittisauer Kirche verwendet.
Manche fragen sich vielleicht, wie die Figuren so beweglich stehen können: Paula Bechter verrät über das Innenleben: „Die Figuren bestehen aus Sisaldraht und Bleifüßen, damit sie jede Haltung, ob stehen, sitzen, gehen, knien oder gebeugt, durchstehen können.“ Über die Köpfe sagt sie: „Der Kopf wird aus Styroporwürfeln zurechtgeschliffen und mit Modelliermasse das Gesicht angedeutet, sodass der Betrachter den Ausdruck hineinlesen kann.“ Bekleidet werden die Figuren schlicht und mit Naturstoffen. Die Tiere, nämlich Schafe, Esel und andere, fertigt die Künstlerin selbst, ebenso die Dekorationsstücke, wie etwa Bäume, Palmen oder ein Boot. Auch die Hintergrundtücher stammen aus ihrer Hand.
Das Evangelium inspiriert die pensionierte Religionslehrerin und sie möchte es „so gut ich kann, sichtbar machen“, berichtet sie. Die Besucher sollen neugierig werden und den einen oder anderen Text aus dem Evangeliar, das neben der Jahreskrippe aufliegt, nachlesen. Am liebsten stellt Paula Bechter übrigens, jene Gleichnisse, bei denen man schon von weitem erkennt, um welche es sich handelt, nach – der Verlorene Sohn oder der Barmherzige Samariter. Paula bedeutet die Bibel alles: „Sie ist mir die Lehrmeisterin für das Leben“, erklärt sie. Und ein wichtiges Motto ist ihr der Ausspruch Jesu: „Was ihr einem meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“
Für die Zukunft wünscht sie sich, die Jahreskrippe weiterzuführen – sofern die Pfarre es möchte: „So lange ich kann, möchte ich gerne noch dabei sein“, erklärt sie abschließend.