
Aus der KirchenBlatt-Ausgabe Nr. 39 vom 29. Oktober 2026.
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von Petra Baur
In Rankweil finden zurzeit die Kulturfesttage am Frauenberg statt. Ein besonderes Highlight ist in dem Zusammenhang „Totentanz-Alles ist hin“. Bei der Produktion, die auf dem Friedhof der Basilika aufgeführt wird, hat jedoch nicht der Tod das letzte Wort. Es geht in erster Linie darum, das Leben zu leben. Anwesend zu sein. Sich selbst immer wieder die Frage zu stellen „Was ist überhaupt möglich, solange man lebt?“ Diese Fragen verwebt Elisabeth Heidinger in verschiedene literarische Texte von Dante über Saramago und Zafrón bis Carl Lampert. Für die Regie verantwortlich ist Stephanie Gräve. Im KirchenBlatt Interview spricht Gräve über die Herausforderungen bei der Regiearbeit und warum Rankweil sich für die Produktion so gut eignet.
Frau Gräve, was hat Sie dazu bewogen, die Regie bei „Totentanz-Alles ist hin“ zu übernehmen?
Stephanie Gräve: Die Totentanz-Produktionen vor der Basilika in Rankweil haben schon eine gewisse Tradition – als Elisabeth Heidinger zu Jahresbeginn auf mich zukam und fragte, ob sich das Landestheater daran beteiligen will, war ich gleich interessiert, und habe dann mit ihr entschieden, dass wir das Projekt trotz der jüngsten Entwicklungen realisieren. Ich bin ein Novemberkind und liebe diesen Monat mit seiner düsteren Atmosphäre, es freut mich immer, wenn mein Geburtstag auf den Totensonntag fällt. Dazu liebe ich alte Friedhöfe und die christlichen Traditionen des Totengedenkens.
Sie führen nicht nur Regie, sondern sind auch als Todin bei der Freiluftveranstaltung zu sehen. Was waren dabei die größten Herausforderungen?
Gräve: Meine „Rolle“ als Todin ist zum Glück klein. Es geht weniger darum, zu spielen, als darum, das Geschehen zu kommentieren. Für mich bringt die Todin auch ein bisschen trockenen Humor ins abgründige Treiben, denn ihre Haltung zu den Menschen, den Lebenden ist: Nehmt euch nicht ganz so wichtig in eurem ständigen Bemühen, vor mir davonzulaufen. Es wird euch ja doch nicht gelingen… Die größte Herausforderung wird sein, mir den Text zu merken. Ich war schon in der Schule verdammt schlecht darin, Gedichte auswendig zu lernen.
Eine Freiluftveranstaltung im November ist etwas ungewöhnlich. Die Zuschauer können zumindest wettergeschützt im überdachten Wehrgang der Basilika stehen. Was macht dabei für Sie den besonderen Reiz aus?
Gräve: Das Outdoor-Konzept ist eine besondere Herausforderung – als junge Dramaturgin habe ich jedoch einige solcher Projekte an ungewöhnlichen Orten mitentwickelt. Auf einer Abraumhalde, sogar in einem Klärwerk! Dieser Friedhof an der Basilika, hoch über Rankweil gelegen, ist ein magischer Ort. Elisabeths Konzept mit den literarischen Kreisen ist ebenso überzeugend wie die Qualität ihres Textes – sie inspirieren zu starken, dunklen Bildern im Schatten der Kirche.
ALLES IST HIN nimmt die Zuschauer:innen mit auf eine imaginäre Reise über den nächtlichen Friedhof: Mal taucht eine Gestalt hinter einem Grabstein auf, ein trauriger Clown vielleicht, der Bürger:innenchor bewegt sich geheimnisvoll im Halbdunkel und raunt seine Texte, aus den Gängen und der Kirche wehen Fetzen von Musik herüber, Worte von Kleist tönen körperlos in der Luft… Mehr soll noch nicht verraten werden, das Publikum soll sich einlassen können auf dieses besondere Erlebnis.
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