
Aus der KirchenBlatt-Ausgabe Nr. 13/14 vom 2./9. April 2026.
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Von Joachim Schwald
Seit vielen Jahren wird ein religiöses Osterbrauchtum in der Pfarre Fontanella besonders gepflegt – das Heilige Grab. Das Kunstwerk, das vom Bludenzer Maler Jakob Jehly gestaltet wurde, entstand um 1870 und wurde zu dieser Zeit an die Kirche Fontanella unter Pfarrer Johann Baptist Jehly (1866 – 1873) übergeben.
Am Mittwochabend in der Karwoche wird dieses im Altarraum der Pfarrkirche aufgebaut. Vier Kulissenbögen, von Säulendarstellungen gehalten, führen zum eigentlichen Sepulcrum (Anm. Ruhe- bzw. Grabstätte) hin. Die abschließende Wand zeigt Jesus im Grab liegend. Vorne links an der Säule wird Jeremias dargestellt (die Klagelieder Jeremias), auf der rechten Seite Isaias (bekannt auch als Jesaja – der erste große Schriftprophet).
Für die Trauermette, Anbetungsstunden und Kreuzwegandacht am Karfreitag sowie die Trauermette am Karsamstag, überträgt der Priester die Monstranz mit dem Allerheiligsten in dieses Sepulcrum. In dieser Zeit verleihen zahlreiche mit eingefärbtem Wasser gefüllte und großteils mit einer „lebenden“ Flamme bestückte Glaskugeln der Kirche eine besondere Atmosphäre. Die Tatsache, dass alle Kirchenfenster mit schwarzen Stoffen verdunkelt werden, verstärkt diesen Effekt zusätzlich. Die elektrischen Lichter in der Kirche bleiben aus. Am späteren Vormittag des Karsamstags – nach der Trauermette und Osterspeisen Segnung – wird das Hl. Grab wieder abgebaut.

„Für den Auf- und Abbau gibt es ein eigenes Team in unserer Pfarrei“, informiert Pfarrer Gerhard Schrafstetter und ergänzt: „Allen Beteiligten ist es wichtig, altes, gelebtes Brauchtum in der Kirche aufrechtzuerhalten und dies der jüngeren Generation weiterzugeben.“ In früheren Zeiten war der Aufbau des Hl. Grabs dem Mesner und den Ministranten (damals nur Buben) vorbehalten.
Aufbewahrt werden die Utensilien in der Pfarrgarage sowie im Dachboden. „Dabei wird bei der Lagerung gut darauf geachtet, dass die alten Kulissenbögen, Malereien und Glaskugeln nicht beschädigt werden. Um Schäden zu verhindern, werden alle Utensilien mit Tüchern und Decken gut geschützt“, weiß Herlinde Nigsch vom Pfarrteam Fontanella.
„Für die Bevölkerung in Fontanella ist das Hl. Grab in der Karwoche ein fester Bestandteil“, sagt Pfarrer Schrafstetter. „Viele gehen auch außerhalb der Gottesdienstzeiten in die Kirche, um in Stille das Grab zu betrachten, sich inspirieren zu lassen und zu beten. Aber auch Gäste kommen immer wieder, um dieses besondere Grab zu betrachten.“
Der Brauch der Heiligen Gräber ist im Großen Walsertal nichts Außergewöhnliches. So gibt es etwa in Sonntag ein „einfaches“ Hl. Grab von Bildhauer Ferdinand Pramatoner aus St. Ulrich/Gröden. In Raggal ist das Hl. Grab beim Hochaltar „versteckt“. Der Altar ist geteilt. Am Abend des Karfreitags nehmen die Messner und Helfer den einen Teil vom Altar weg, dann wird noch das elektrische Licht beim Grab eingeschaltet. Das Grab bleibt bis Karsamstag Vormittag offen.

Das Aufbauen des Heiligen Grabes ist ein uralter Brauch während der Kartage. Mindestens seit dem 9. Jahrhundert wurden im ganzen christlichen Abendland bedeutende Stätten des Heiligen Landes in Kopien errichtet – vor allem auch die Grabeskirche und das Grab Christi. Einen Höhepunkt erreichten die Heiligen Gräber in der Barockzeit. Es entstanden pompöse und ausladende Theaterkulissen.
Die Tradition der Heiligen Gräber zeigt das Geschehen der österlichen Tage (Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag). Man hört nicht nur im Evangelium von der Grablegung Jesu, man sieht sie. Seit den 1980er-Jahren erleben die Heiligen Gräber eine regelrechte Renaissance.
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