
Unter dem Titel „Fit in den Frühling“ stellte sie Elixiere und Heilkräuter der Hildegardmedizin vor. Die Naturfreundin Sabine Christ aus Radolfzell am Bodensee betreibt eine eigene Praxis und kultiviert unter anderem auch 120 Heilkräuter. Sie ist außerdem Imkerin und leidenschaftliche Köchin. Nach einem langen Werdegang mit Schicksalsschlägen und Krankheit lebt sie heute ihren Traum. Sie sagt: „Für mich war es bezeichnend, wie achtsam man eigentlich mit seiner Gesundheit umgehen muss. Mit Ende 30 bin ich dann zur heiligen Hildegard gekommen“, erklärt sie.
Im Frühling brauchen Körper und Immunsystem besondere Unterstützung: Der Winter ist vorbei, die ersten Sonnenstrahlen wärmen uns – gleichzeitig sind viele Menschen anfällig für Infekte, und die Vitamin D-Speicher sind niedrig.
Nach dem Winter und der Fasnacht sei es wichtig, loszulassen, zur Ruhe zu kommen und achtsam auf die innere Stimme zu hören. Dazu gehöre auch, langsam und weniger zu essen. Struktur im Alltag – etwa durch regelmäßige Mahl- und Ruhezeiten – stärke Körper, Geist und Seele. Auch das Leben im Rhythmus der Jahreszeiten spielt eine wichtige Rolle. Saisonales Gemüse und Obst schmecken nicht nur besser, sondern sind besonders nährstoffreich.
Ein unterschätzter Aspekt bei der Vorbeugung von Infekten ist die Mundpflege: Salbeiwein sorgt für einen frischen Atem und bekämpft die Bakterien im Mundraum, bevor sie in die tieferen Atemwege gelangen können. Er unterstützt bei Grippe und beim Entgiften.
Viele Heilpflanzen wachsen direkt vor der eigenen Haustür. Gänseblümchen auf dem Brot, als Salat oder Tee wirken stoffwechselanregend, schleimlösend und entzündungshemmend.
Auch der Bärlauch ist ein typisches Frühlingskraut. In Suppen, Salaten oder als Pesto stärkt er das Immunsystem, fördert die Verdauung und hilft dem Körper beim Entgiften. Löwenzahnblätter enthalten Bitterstoffe, die zu wenig auf dem Speiseplan stehen. Sie helfen beim Entgiften bzw. Entschlacken, stärken Galle und Nieren und fördern die Verdauung. In vielen Gärten wächst der Giersch, der oft als Unkraut entfernt wird. Er ist ein sehr nährstoffreiches Wildkraut, reich an Vitamin C, Eisen und Mineralien. Er schmeckt im Salat, als Spinat oder als Pesto. Das Wildkraut hilft bei Rheuma, Arthritis, Ischias und zur Entschlackung und Entsäuerung.
Heilkräuter können auf unterschiedliche Weise verarbeitet werden, typischerweise als Tee. Kräuterauszüge lassen sich aber auch mit Öl, Alkohol oder Wein herstellen. Elixiere werden auf Weinbasis angesetzt. Dabei werden mehr Inhaltsstoffe herausgelöst als beim Tee. Sie passieren die Hirn-Blut-Schranke und erreichen Stellen im Nervensystem, die über die Verdauung wenig Chance haben, erreicht zu werden. Ein bekanntes, stärkendes Elixier ist der Herzwein, auch Petersilienwein. Er stärkt den Kreislauf und wird gern beim Fasten, in Krankheit und Schwäche verwendet. Die Herstellung ist einfach.
Auf die Frage, was sie einem jüngeren, gesunden, aber gestressten Menschen im Frühling raten würde, antwortet Sabine Christ: „Beim Zeitmangel fängt es an: Wir sind dabei, uns auf unserer eigenen Autobahn zu überholen. Unsere junge Generation ist oft schon komplett ausgelaugt.“ Und weiter: Der Ansatz sei deshalb zunächst, das Tempo etwas herauszunehmen, zur Ruhe zu kommen und – wie hier im Kloster – im Rhythmus zu leben, anstatt unstrukturiert und zu viel in einen einzigen Tag zu packen. Dazu gehöre auch, regelmäßig und gesund zu essen und mit Kräutern zu kochen. Galgant und Bertram dürfen in keiner Küche fehlen. Auch Pelargonie könne als Raumspray oder Gewürz verwendet werden und biete einen wunderbaren Schutz.
Das Gute an der Hildegardmedizin ist, dass man fast alle Produkte selbst herstellen kann. Wem das zu aufwändig ist, kann sie auch käuflich erwerben, wie zum Beispiel im Klosterladen Mariastern.
Für Hildegard von Bingen gehören zur Heilung mehr als Pflanzen und Kräuter: „Das heilsame Gebet ist etwas ganz Wichtiges“, sagt die Heilpraktikerin. „Die Pflanzen sind eigentlich nur der Nebenschauplatz. Der Glaube und das Gottvertrauen sind die Basis.“