von Ingmar Jochum
In St. Arbogast nahmen in der Vorwoche elf Religionslehrer:innen die sogenannte „Missio canonica“ entgegen, die offizielle kirchliche Erlaubnis und Beauftragung des Bischofs, katholischen Religionsunterricht an Schulen zu erteilen. Wenn man sich vor Augen führt, dass inzwischen zahlreiche Kinder in Familien aufwachsen, in denen der Glaube oder Religion keinerlei Rolle spielt, erschließt sich die Bedeutung dieses Unterrichtsfachs umso mehr. Kinder lernen hier einen für zahlreiche Menschen so bedeutsamen Bestandteil des Lebens erst kennen. Im Gespräch mit Religionslehrer:innen berichten sie in diesem Zusammenhang auch immer wieder, dass die Begeisterung der Kinder auch bei ihren Eltern Interesse an Fragen des Glaubens weckt.
Bei der Sendungsfeier in St. Arbogast überreichten im Rahmen eines Gottesdienstes die Schulamtsleiterin der Diözese, Annamaria Ferchl-Blum, und Bischof Benno Elbs elf Lehrer:innen (eine Dame war leider verhindert) die Missio canonica als sichtbares Zeichen der Sendung und Beauftragung durch die Kirche. Annamaria Ferchl-Blum betonte, dass im Religionsunterricht das Evangelium in vielerlei Weise von seiner Grundbotschaft immer wieder anklingt. Denn im Mittelpunkt stehen die Menschen, die Kinder, mit all ihren Potenzialen und Bedürfnissen. Das persönliche Engagement der Pädagogen verdeutlichte die Schilderung einer Begegnung mit einer Lehrerin, die jeden Tag ein Brot in die Schule mitbringt, weil viele Kinder zu Hause kein Frühstück bekommen. In ihrer Begrüßung zitierte die Schulamtsleiterin weiters den jüdischen Philosophen Martin Buber, der einmal sagte: „Das Jetzt ist der Mantel Gottes.“ Und in der Gegenwart, im ganz konkreten Jetzt, findet auch das schulische Wirken der Lehrer:innen statt.
Bischof Benno Elbs bedankte sich sehr herzlich bei den Religionslehrer:innen für ihren Einsatz und bezeichnete ihre Tätigkeit „als einen der schönsten Berufe überhaupt, weil sie junge Menschen auf einer ganz wichtigen Strecke ihres Lebens begleiten können und dabei nicht auf eine Weise unter Druck stehen, wie Kolleg:innen, die beispielsweise Mathematik unterrichten.“ Zudem sei es schön, dass im Fach Religion noch der Mensch im Mittelpunkt stehe. Mit dem Zitat von Papst Johannes Paul II. „Gott vollbringt auch heute noch sein Werk“ wies Bischof Benno darauf hin, dass es zu dem Aufgabe der Religionslehrer:innen gehöre, den Jugendlichen zu zeigen, dass in allem, was sie erleben, Gott da ist – auch in den schwierigen Zeiten des Lebens.

Gruppenfoto nach dem Gottesdienst in der Kapelle von St. Arbogast.
I. Jochum/KKV
Im Anschluss an den Gottesdienst folgte die Verteilung der Missio canonica. Hier gab es dann noch die Möglichkeit zum Austausch. Religionslehrer Philipp Ratz meinte, dass es ein Zufall war, der ihn an die theologische Fakultät in Innsbruck brachte. „Gute Professor:innen und Studienkolleg:innen haben dann mein Interesse an Religion geweckt. Ich unterrichte dieses Fach sehr gerne, weil man hier wirklich tiefgründige Gespräche und Debatten über das Leben und den Glauben führen kann. Man lernt die Schüler:innen auf diese Weise einmal von einer ganz anderen Seite kennen und kann den Unterricht auch einmal individuell gestalten, als das in anderen Fächern möglich ist“, so Philipp Ratz. Cornelia Doller von der Jupident fand dann ein schönes Schlusswort, indem sie meinte: „Ich freue mich jeden Tag, wenn ich in die Schule gehen und den Jugendlichen den Glauben näher bringen kann. Für mich gibt es nichts Schöneres, als Religion zu unterrichten.“