
Von Sr. Anastasia Franz
Aufgewachsen ist Sr. Marion in einer katholischen Familie im Rheinland nahe Köln, in der der Herz-Jesu-Freitag seinen festen Platz hatte. Das hing auch mit den Patres von den Heiligsten Herzen zusammen, die die Pfarre seelsorgerlich betreuten.
Schon früh war Sr. Marion von Ordensleuten umgeben: Sie besuchte den Kindergarten der Franziskanerinnen, absolvierte die Schule für Hauswirtschaft und Kinderpflege bei Karmelitinnen und machte ihr Praktikum als Kindergärtnerin bei einer Schwester aus ihrem früheren Kindergarten. Während ihres Studiums der Religionspädagogik und Gemeindepastoral wohnte sie bei Schönstattschwestern und lernte ihre zukünftige Gemeinschaft „Das Werk“ auf einer Romwallfahrt kennen. Die Frage „Was will der liebe Gott von mir?“ war schon damals lebendig in ihrem Herzen. Sie wollte Schwester werden, aber „mit Tracht“. Die Schwestern des „Werkes“ in Rom trugen keine. Nach dem Rosenkranz mit Papst Johannes Paul II. im Damasushof kam sie mit ihnen ins Gespräch und folgte einer Einladung am nächsten Tag. Es gefiel ihr, doch sie sagte sich: „Aber ich werde Schwester mit Tracht!“ So besuchte sie ihre Lehrerin von der Kinderpflegeschule. Diese hatte bereits gespürt, dass die junge Frau Schwester werden wollte, riet aber vom Karmel ab. Durch eine Studentin aus der damaligen Rompilgergruppe, die später ins „Werk“ eintrat, vertiefte sich der Kontakt zu dieser Gemeinschaft. Auf einmal war ihr klar, dass es nicht auf die Tracht ankommt, sondern darauf, dem Herrn zu dienen und sich ganz dem Herzen Jesu zu übergeben, was das Zentrum des Charismas des „Werkes“ ist.
1988 trat sie in die Gemeinschaft ein. Ihr Noviziat führte sie für ein halbes Jahr nach Rom. Es folgten Lebens- und Wirkungsorte in Wien, Bregenz, den Niederlanden, Slowenien und in Limburg an der Lahn. Besonders prägend war die Zeit von 2005 bis 2018, als sie im kleinen slowenischen Dorf Voglje als Gemeindereferentin arbeitete. Ursprünglich war nur eine Vertretung geplant, doch es wurden 13 Jahre daraus. Die Kinder des Dorfes kamen täglich zu ihr. So lernte sie Slowenisch, erteilte Religionsunterricht und Deutschnachhilfe sowie Gruppenstunden.
Obwohl Sr. Marion die Stellvertreterin der international Verantwortlichen gewesen war, war sie über ihre Wahl überrascht. Sie konnte nicht anders, als die Wahl anzunehmen, weil sie das große Vertrauen spürte, das ihr entgegengebracht wurde. Am Tag nach der Wahl versprachen ihr bei der Dankmesse im Kloster Thalbach alle Mitschwestern den Gehorsam. „Das war auch ein sehr, sehr beeindruckender Moment für mich“, erklärt sie und weiter: „Ich habe gemerkt: Ich sitze hier, aber du (Jesus) bist es.“
Für ihr erstes Jahr ist sie dankbar. Sie erlebte bei den Mitschwestern und Mitbrüdern eine große Bereitschaft, mitzutragen. Viele Reisen führten sie zu den Niederlassungen der Schwestern, um sie zu besuchen und bei ihnen an den Orten zu sein, an denen sie leben. Das steht auch weiterhin auf dem Programm. Sie möchte auf die Schwestern hören und sagt: „Es ist mein Anliegen, die Mitschwestern in den Initiativen, die sie entwickeln, zu unterstützen, dass sie sehen: Die Mutter Marion steht hinter uns“, erläutert die international Verantwortliche. Ein wichtiger Schwerpunkt ist für sie, das Feuer der Liebe und das Feuer der Berufung wieder neu oder noch stärker zu entfachen – ein Geschenk, das durch die Dankbarkeit füreinander wächst.
Auf die Frage, was Sr. Marion den Menschen mitgeben wolle, antwortet sie: „Die wahre Freude findet sich nur in Christus. Alle wollen zur Freude kommen. Wenn man in der Anbetung bei ihm ist, kommt man zur wahren Freude. Das ist unsere Tankstelle, das ist unsere Stärke.“