
Wer will heute ein Knecht sein? Ein Knecht ist nach heutigem Verständnis jemand, der alles machen muss, was ihm angeschafft wird und selbst nichts entscheiden darf. Diener an heutigen Königshöfen müssen zum Beispiel das machen, was ihnen befohlen wird, sind in der Gesellschaft dennoch angesehen. Ob eine Aufgabe sozial wertvoll ist, hängt jedoch nicht notwendigerweise vom sozialen Status ab.
Beim Propheten Jesája in der heutigen Lesung hören wir deshalb vielleicht nicht ganz zufällig von einem Knecht, an dem Gott Gefallen gefunden hat. Gott hat diesen Knecht erwählt und seinen Geist auf ihn gelegt. Das sind Worte und Deutungen, die wir auch von der Taufe Jesu im Jordan kennen. Gott hat sich dabei eindeutig zu Jesus bekannt mit den Worten: „Dieser ist mein geliebter Sohn.“ Auch der Heilige Geist, der in der ersten Lesung als Geist auftaucht, den Gott auf ihn, den Gottesknecht, gelegt hat, ist bei der Taufe Jesu dabei. Beim Propheten Jesája kündigt sich an, was aus der Sicht des Neuen Testaments in Jesus Christus in Erfüllung geht.
Gott macht seinen Knecht nicht klein. Er entzieht ihm nicht die Würde, sondern bestätigt ihn in seinem Handeln. Der Knecht handelt hier so, dass Gott sich selbst in dessen Wirken zeigt. Dieser bringt den Nationen das Recht und wird zum Licht der Nationen. Durch ihn soll es Hoffnung geben, die von Gott kommt. Auch wird der Knecht blinde Augen öffnen und Gefangene aus dem Kerker holen.
Im Leben
Sehe ich mich als Knecht Gottes oder als Kind Gottes? Was stelle ich mir unter dem Begriff des Gottesknechtes vor?
Elisabeth Wertz ist Religionslehrerin und Pastoralassistentin im Südburgenland (derzeit in Elternkarenz). sonntag@koopredaktion.at


