
Heute hören wir zum dritten Mal in Folge ein Gleichnis, in dem ein Weinberg eine Rolle spielt. Diesmal geht es um einen Weingutbesitzer, der alles für seinen Weinberg tut. Er pflanzt, schützt, richtet ihn ein. Winzer übernehmen das Weingut in Pacht. Doch sie verhalten sich so, als ob das Land ihnen gehören würde. Als der Besitzer Knechte schickt, um seine Früchte einzufordern, werden diese misshandelt. Schließlich kommt der Sohn – und wird getötet.
In diesem Bild klingt das „Lied vom Weinberg“ des Propheten Jesaja an: Gott pflegt seinen Weinberg liebevoll, um sein Volk Israel zu beherbergen und zu schützen (Jes 5).
Jesus erzählt damit also die Geschichte eines fürsorglichen Gottes mit den Menschen.
Die Knechte stehen für die Propheten.
Sie wurden oft nicht gehört, manchmal
verfolgt. Der Sohn steht für Jesus selbst.
Für die Zuhörerenden wird spürbar: Hier
geht es nicht um irgendeine Geschichte – hier geht es um sie selber. Der Weinberg soll „Frucht“ hervorbringen – nicht Erfolg im äußeren Sinn, sondern ein Leben voll Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Treue.
Ist das Projekt „Weinberg“ gescheitert, wenn gewalttätige Menschen es an sich reißen? Die überraschende Wende zeigt sich im Bild vom „verworfenen Stein“, der zum Eckstein geworden ist: Gott lässt sich nicht aufhalten. Selbst die Ablehnung wird Teil seines Weges. Aus dem scheinbaren Scheitern entsteht
ein neuer Anfang.
Der Weinberg ist und bleibt Gottes Eigentum. Wer sich an Gottes Stelle setzt und nur sich selbst sieht, verliert den Blick für das Wesentliche. Das heutige Evangelium lädt uns ein, uns nicht als Besitzende, sondern als Verwaltende zu verstehen – unserer Möglichkeiten, unserer Talente, der Schöpfung. Auch wenn wir versagen. Gott gibt nicht auf. Er vertraut weiter. Sein Ziel bleibt: ein Leben, das Frucht bringt – für alle seine Geschöpfe.


