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Gott ist überall, auch im Fußball

Jugendseelsorger Delfor Nerenberg und St. Arbogast Geschäftsführer Daniel Mutschlechner stimmen sich gemeinsam auf die Fußball-WM ein.

Von Ingmar Jochum

 

Vom 11. Juni bis 19. Juli spielen 48 Nationalmannschaften bei der Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA um den wohl begehrtesten Pokal, den es im Sport zu erringen gibt. Bei dem Turnier sind auch Österreich und Titelverteidiger Argentinien vertreten. Wie es der Zufall will, sind gerade im Bildungshaus St. Arbogast diese beiden Nationen durch zwei begeisterte Fußballfans vertreten: Seelsorger Delfor Nerenberg stammt aus dem Norden Argentiniens und Geschäftsführer Daniel Mutschlechner hält dem heimischen Nationalteam die Daumen. Die beiden trafen sich im Vorfeld des Fußballfestes zu einem launigen Gespräch über das runde Leder, den Glauben und das Clubheim, einem Treff für Fußballbegeisterte in St. Arbogast, das am 10. Juni, 19 Uhr, stattfindet (siehe Infobox).

 

Fußball gehört zur Kultur

„Fußball gehört in Argentinien zur Kultur. Auch bei uns zuhause. Mein Papa war Trainer und hat seine Begeisterung für den Sport an uns weitergegeben. Sonntagnachmittag traf man sich und hielt seinem Lieblingsteam die Daumen. Bei uns waren das die Boca Juniors, deren bekanntester Spieler Maradona war“, schildert Delfor Nerenberg (Jahrgang 1991) die Ursprünge seiner Begeisterung für das runde Leder. Noch lebhaft in Erinnerung hat er das verlorene Weltmeisterschaftsfinale gegen Deutschland im Jahr 2014. Daniel Mutschlechner wurde 1978 geboren und kann sich noch an das Endspiel von 1986 erinnern, in dem Argentinien, wieder gegen Deutschland, den Titel gewann. Aus Erzählungen weiß Delfor, wie bedeutend dieses Ereignis für das ganze Land war. Armut und die Nachwirkungen des Falklandkriegs hatten das südamerikanische Land arg in Mitleidenschaft gezogen. Dieser Titel bescherte den Menschen neue Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Ein eindrückliches Zeugnis der Fähigkeit des Sports, einer ganzen Nation Hoffnung zu geben.

„Wunderschöne Erinnerungen habe ich an die Weltmeisterschaft 1990 in Italien“, erinnert sich Daniel Mutschlechner. „Es war ein herrlicher, unbeschwerter Sommer. Es gab viele Fußballspiele, kalte Limonade und Eis, ein Schlüsselmoment für meine Begeisterung für Fußballweltmeisterschaften, die bis heute anhält.“

 

Zum Narrischwerden

Wenn in Österreich über Fußballweltmeisterschaften geplaudert wird, darf natürlich ein Begriff niemals fehlen: Cordoba. Auch Delfor, der erst Jahre später das Licht der Welt erblickte, musste als Student in Salzburg bald Fragen zur argentinischen Stadt beantworten, die Schauplatz dieses legendären Spiels war, in dem Österreich das deutsche Nationalteam besiegte. „I werd narrisch...“, wird sich der junge Argentinier vielleicht auf Spanisch, in Anlehnung an das berühmte Edi Finger-Zitat, gedacht haben. Schließlich fand dieses Ereignis bereits 1978 statt und hatte keinerlei Auswirkungen auf den Turnierverlauf. Auch Daniel Mutschlechner meint, es wäre höchst an der Zeit, sich von den alten Erfolgsgeschichten zu lösen und neue zu schreiben. 

 

 

 

 

Grenzenloser Zusammenhalt

Im Laufe des Gesprächs wird auch das Verhältnis zwischen Glaube und Sport thematisiert. Im Fußball sieht man regelmäßig Spieler, die sich bekreuzigen oder christliche Symbole als Tätowierungen auf der Haut tragen. Den Seelsorger freut es, wenn sich Menschen in der Öffentlichkeit zu ihrem Glauben bekennen und ist sich sicher, dass dieser Kraft und Halt gibt, gerade in Stresssituationen bei wichtigen Spielen. Wobei Mutschlechner zu Bedenken gibt, dass man nicht für den Sieg der Mannschaft beten sollte, sondern vielmehr für ein faires Spiel, die Gesundheit und den Zusammenhalt. Diesen sieht man, gerade bei Großereignissen wie der Fußballweltmeisterschaft, auch unter den Fans, die gemeinsam – unabhängig von Alter, sozialem Status oder politischer Einstellung – ihrem Team die Daumen drücken. Und auch die Nationalmannschaft ist ein Sammelbecken von Fußballern mit teils ganz unterschiedlichen Wurzeln. Diese Gruppe kann ein Land einen und Menschen zusammenführen, die gemeinsam für einen erfolgreichen Turnierverlauf mitfiebern. 

 

Gemeinsames Erlebnis

Und man trifft sich, um miteinander ein Ereignis zu erleben. „Mich erinnert das fast ein wenig an die großen christlichen Feiertage wie Ostern oder Heiligabend. Zu diesen Zeiten trifft man sich auch und feiert gemeinsam. Beim Länderspiel Argentinien-Österreich bei der WM wird das ähnlich sein. Man erlebt ein Ereignis gemeinsam“, meint der Arbogast-Geschäftsführer und Delfor Nerenberg kann Ähnliches aus seiner Heimat berichten. In Argentinien war es in der Karwoche auch immer still auf den Straßen, wenn der Papst eine Ansprache hielt oder am Karfreitag gemeinsam gebetet wurde. „Bei den Weltmeisterschaften war das dann genauso. Und wenn dann ein Tor gefallen ist, hat der Jubel diese Ruhe durchbrochen.“ 

 

Glaube und Fußball

Auf die Frage, ob es eine Verbindung zwischen einem Mannschaftssport wie Fußball und dem Glauben gibt, meint der argentinische Seelsorger, dass der Glaube den Menschen eine Richtung vorgibt und ein Gemeinschaftsgefühl entstehen lässt. Das ist beim Teamsport ähnlich – auch die Freude, die man gemeinsam erlebt. „In einem Fußballspiel kann man auch immer auf die Hilfe der Mitspieler zählen, genauso können wir uns immer auf die Liebe Gottes verlassen, der mit uns sozusagen in einem Team spielt und für uns da ist“, ergänzt Delfor. Um in der Fußballersprache zu bleiben, ist für den Seelsorger Jesus eine Art Trainer. „Jeder Mensch muss sein eigenes Leben gestalten und das Beste geben. Jesus kann das Spiel nicht für uns bestreiten, er ist aber immer in unserer Nähe, leitet uns und hilft in jeder Situation.“ 

 

 

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 "Clubheim Arbogast": Einstimmung auf die WM

 

Mittwoch, 10. Juni, 19 Uhr
Arbogast-Seelsorger Delfor Nerenberg ist mit Idolen wie Maradona oder Messi aufgewachsen. Der Argentinier ist Erfolge seines Fußballteams gewöhnt. Daniel Mutschlechner kam wenige Tage vor „Cordoba 78“ zur Welt und leidet seither mit der österreichischen Nationalmannschaft. Da Argentinien und Österreich am 19. Juni im Gruppenspiel aufeinandertreffen, laden Delfor und Daniel ins Café Arbogast, das sich für einen Abend in ein Clubheim verwandelt. 

 

Mit dabei sind als Gesprächsgäste Eric Orie (Sportkoordinator SCR Altach, eh. Profi-Spieler und Trainer), Dieter Alge (Sportdirektor SC Austria Lustenau, eh. Profi-Spieler und Trainer), Sonja Baldauf (Vizepräsidentin für Frauen und Mädchenfußball beim VFV) sowie Sportmanager und Ex-Bundesligaspieler Sepp Lenhart (sporteo). 

 

Themen des Abends: Was macht die Faszination Fußball aus? Haben die Österreicher eine Chance? Und wie ist das mit dem Fußballgott? Zudem gibt es ein WM-Pubquiz... 

 

Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird gebeten: T 05522 36006, E willkommen@arbogast.at

 

Aus der KirchenBlatt-Ausgabe Nr. 22  vom 4. Juni 2026. 

 

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Veröffentlicht am 03.06.2026
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