
Bei Trauergesprächen erzählen mir Menschen manchmal, dass sie sich mit der Kirche schwertun. Bei genauerem Hinhören spüre ich dann aber oftmals Sehnsüchte und einen tiefen Glauben. Persönliche Begegnungen mit ebendieser Kirche führten bei manchen zu Kränkungen, zu kritischer Distanz, manchmal auch zum Austritt.
Das Bild der Urkirche aus der Apostelgeschichte passt so gar nicht zu den Erfahrungen dieser Menschen. Die Gemeinde als innige Gemeinschaft, mit der Bereitschaft, alles zu teilen, als wichtige Säule des Gemeindelebens, ist natürlich als Idealbild zu verstehen. Fehlentwicklungen sind menschlich, auch in der Urkirche gab es diese. Und doch könnten wir den Text zum Anlass nehmen und darüber nachdenken, welches Bild wir (unsere konkrete Pfarre) nach außen abgeben. Bei der Beschreibung in der Apostelgeschichte geht es um den Versuch, das Leben an der Frohen Botschaft auszurichten, Solidarität zu leben und auf das Gebet zu vertrauen.
Beim Brotbrechen denken wir heute wohl primär an die Eucharistiefeier, im konkreten Text brechen die Menschen in ihren Häusern das Brot beim gemeinsamen Essen. Brotbrechen bedeutet teilen und die Augen vor der Not anderer nicht zu verschließen. Manches in diesem Text scheint heute schwer lebbar, aber die Grundausrichtung als Idealvorstellung bleibt bestehen: Festhalten an der Lehre der Apostel, gemeinschaftliches Leben in Solidarität und die Pflege des Gebetes.
Diese Grundpfeiler für glaubende Gemeinschaften haben in der Zeit der Apostelgeschichte dazu geführt, dass sie beim ganzen Volk beliebt waren und immer größer wurden.
Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
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