
von Ingmar Jochum
Am Pfingstmontag 1986 erhielt Johannes Heil die Weihe zum Diakon. Diese fand zum ersten Mal in der Kapelle des Landeskrankenhauses in Bregenz statt. Er war dort Leiter der Krankenhausseelsorge. „Ich habe dem damaligen Bischof Klaus Küng gesagt, in den Dom nach Feldkirch komme ich nicht“, erinnert sich der 72-Jährige. Heil war wichtig, dass auch die Patient:innen, die er täglich begleitete, daran teilnehmen konnten. Dem damaligen Bischof Klaus Küng sagte er deshalb: „Kommen Sie zu mir – an die Basis, zu den Menschen, bei denen Sie mich eingesetzt haben.“ Der Bischof nahm die Einladung an und nahm die Weihe im Krankenhaus vor.
Heil machte dabei auch deutlich, wie er seinen Dienst als Diakon verstand: „Ich habe dem damaligen Bischof gesagt, dass ich jeden Auftrag annehme und umsetze, solange dieser mit dem Evangelium vereinbar ist.“ In manchen kirchlichen Fragen seien er und Bischof Küng unterschiedlicher Meinung gewesen. Dennoch habe es stets die Möglichkeit zum offenen Gespräch gegeben. „Er war bereit, zu diskutieren und sich mit verschiedenen Themen auseinanderzusetzen. Das habe ich sehr an ihm geschätzt.“
Seine Tätigkeit als Krankenhausseelsorger verstand er stets als gelebte Nächstenliebe. Jeder bzw. jedem helfen, für alle da sein und niemanden ausschließen, nach diesem Motto lebte und arbeitete Johannes Heil sein Leben lang. Seine aufopfernde Hingabe zur Krankenhausseelsorge brachte ihn oft an seine Grenzen. Kriseninterventionsteams gab es damals noch nicht. Zahlreiche hilfesuchende Menschen in Ausnahmesituationen wurden von Johannes Heil und seinem Team betreut. Dabei wurde dem gebürtigen Schweizer früh bewusst, dass fachliches Können allein nicht ausreicht. „Ich habe gespürt: Für meine Arbeit im Krankenhaus brauche ich mehr als nur das Wissen in meinem Kopf. Ich benötige Gottes Schutz und seinen Segen, der mich begleitet“, erzählt er. Dieser Glaube hat ihm sein ganzes Leben hindurch Kraft gegeben.
In Bregenz baute Heil ein 26-köpfiges Seelsorgeteam auf. Dessen Mitglieder waren rund um die Uhr für die Patient:innen erreichbar. Eine zentrale Aufgabe des Teams bestand darin, eine Brücke zu bilden: zwischen den Patient:innen und ihren Angehörigen, zwischen den Erkrankten und dem Krankenhauspersonal – und manchmal auch zwischen medizinischen Möglichkeiten und menschlichen Bedürfnissen. „Ich war immer sehr stolz auf unsere Mannschaft. Sie hat felsenfest zusammengehalten“, erinnert sich Heil. Entscheidend sei die Bereitschaft gewesen, für alle Menschen da zu sein: „Ob jemand katholisch ist, einer anderen christlichen Kirche angehört oder keinen religiösen Bezug hat, war für uns nicht ausschlaggebend. Es zählt der Mensch.“
Nach Jahren der kräftezehrenden Arbeit befand sich Johannes Heil in einer schwierigen Lebensphase. Sein Hausarzt hatte ihm dringend zu einer Auszeit geraten. Auf seiner Suche stieß Heil auf ein Franziskanerkloster im Berliner Stadtteil Pankow. Die Brüder hießen ihn willkommen. Was die Franziskaner dort für obdachlose und bedürftige Menschen leisteten, beeindruckte ihn tief. Die Menschen bekamen nicht nur eine warme Mahlzeit. Sie konnten auch ihre Kleidung waschen und fanden Beratung sowie persönliche Zuwendung. Heil arbeitete in der Suppenküche mit. Er schälte Kartoffeln und bereitete Sandwiches für 300 bis 400 Menschen vor. „Diese Abwechslung von meiner Arbeit im Krankenhaus war für mich sehr wertvoll“, sagt er.
Ein besonderes Anliegen ist Johannes Heil die Regenbogenpastoral. Als Bischof Benno Elbs den Aufbau einer entsprechenden Anlaufstelle beauftragte, brachte sich Heil aktiv ein. Er half mit, Begegnungsabende zu organisieren, und engagierte sich im Umfeld des Christopher Street Days. Seine Haltung ist eindeutig: „In der Kirche müssen alle ihren Platz haben. Niemand darf ausgeschlossen werden.“ Menschen dürften aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Lebensform weder abgewertet noch von der Gemeinschaft ferngehalten werden. Auch Segnungen oder die Kommunion dürften seiner Überzeugung nach nicht als Mittel der Ausgrenzung verwendet werden. „Das wäre für mich so, als würde man einem ertrinkenden Menschen keinen Rettungsring zuwerfen.“