
Paulus schlägt oft starke Töne an. In seinen Briefen malt er gern hohe Kontraste und öffnet Gegensätze. Damit bekommen wir Leser ein klareres Bild vom Rahmen, in dem er sich dann thematisch bewegt.
In diesem Abschnitt wendet er aber nichts hin und her, sondern ist in seinen Gedanken zielgerichtet und direkt. Dazu nimmt er eine Aussage auf, die er bereits kurz davor (Vers 18) artikuliert hat: Die Leiden der gegenwärtigen Zeit verblassen gegenüber der künftigen Herrlichkeit. Diesen Gedanken bestätigt Paulus nun. Mehr noch, die Sätze sind jetzt in prophetischer Gewissheit formuliert: Auch wenn der Weg durch das Leiden führt, von Gott wird er letztlich zum Guten gewendet.
Wird sich für jene, die Gott lieben, tatsächlich alles immer zum Guten wenden? Ist das nicht billiger Trost? Lässt sich dieser Satz einem Menschen so sagen, für den Krieg zum Alltag geworden ist? Angesichts dieser Fragen merke ich, wie es in mir beklemmend still wird. Denn die politische und gesellschaftliche Realität scheint aktuell in anderer Sprache zu sprechen.
Ganz so ist es von Paulus auch nicht gemeint. Es stimmt in diesen Zeilen den poetischen Dreiklang von „berufen“, „gerechtfertigt“ und „verherrlicht“ an. Jene, die in Gemeinschaft mit Christus verbunden sind (berufen), werden einst auch auferweckt (gerechtfertigt). Ihnen wird Gott Anteil an seiner Herrlichkeit geben. Zu diesem Glauben will Paulus ermutigen. Darum geht es ihm.
Die Fragen wären dann:
Spüre ich diese Zuversicht in meinem Glauben? Gibt dieser Glaube mir Hoffnung – selbst in dunklen Zeiten?
Lukas Pallitsch, Dr., PhD, ist Universitätsassistent (post-doc) am Institut für Religionspädagogik und Katechetik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien sowie Beauftragter der Diözese Eisenstadt für den christlich-jüdischen Dialog.
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