
50 Tage nach dem Paschafest wird in Jerusalem das jüdische Wochenfest begangen. Man freut sich über die erste Ernte und erinnert sich an die Geschehnisse am Berg Sinai, wo Moses die Zehn Gebote von Gott überliefert bekommen hat. Das Wochenfest war ein Pilgerfest, an dem man den Tempel besuchte. Darum hören und lesen wir von einer großen Anzahl von Juden mit unterschiedlichen Muttersprachen, die sich in Jerusalem befinden.
Die Pfingsterzählung ist das Gegenteil zur babylonischen Turmbaugeschichte, bei der der menschliche Stolz und der Versuch des Menschen, sich selbst zu Gott zu machen, die Menschen entzweit, mit der Folge, die anderen nicht mehr verstehen zu können. Wir lesen in der Apostelgeschichte, dass der Heilige Geist bei diesem Fest wie ein Sturm durch die Gemäuer und Herzen der Jesusjünger:innen wirbelt und das pfingstliche Sprachenwunder bewirkt.
Der Geist wirkt durch konkrete Menschen, die an Jesus und seine Botschaft glauben. Die Apostel, und möglicherweise haben auch die Frauen, die zur Jünger-Gemeinschaft gehörten, das Wort ergriffen, beginnen zu reden. Und sie werden von allen in der je eigenen Muttersprache verstanden. Die Sprach- und Kulturunterschiede sind überwunden, alle werden erreicht mit der befreienden Botschaft der Liebe. Zudem wird die Einmaligkeit und Unterschiedlichkeit eines jeden Menschen, mit einer je ganz eigenen, persönlichen Berufung gewürdigt.
Der Geist zu Pfingsten will die Menschen mit der Botschaft durchdringen, das Leben neu zu gestalten, neue Akzente zu setzen.
Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.
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