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Lass dir nicht alles durchgehen

Teil 1 der Fastenserie mit Christine Haiden: Die Disziplin ist in Verruf gekommen. Sie verdient eine Ehrenrettung.

„Dass ich so alt geworden bin, verdanke ich nur meiner Disziplin.“ Mit dieser Aussage verblüffte mich die 103-jährige Alice Herz Sommer. Die gebürtige Pragerin, die ich in London für ein Interview getroffen habe, war eine lebensfrohe Person. Da war nichts Verbittertes oder Strenges in ihren Zügen. Sie hatte bei Gott kein einfaches Leben gehabt, wohl aber eine große Leidenschaft. Auch im hohen Alter spielte sie täglich von 9 bis 12 Uhr Klavier. Das Üben war ihr offenbar in Fleisch und Blut übergegangen. Manchmal haben ihre Finger nicht mehr das gemacht, was der Kopf wollte. Sie hat sich selbst damit getröstet, das sei wegen des Alters und nicht ihr Unvermögen. Alice hatte ihren Tag durchgetaktet und, wie sie erzählte, „immer dasselbe“ gemacht. Diese Ordnung gab ihr Halt und schuf ihr Freiraum für das, was sie wollte, in erster Linie Klavier zu spielen. Nur in Ausnahmefällen wurde das abgesagt, Besuche mussten auf den Nachmittag warten. Die Disziplin wandte Frau Herz Sommer auch auf das an, was sie über die Welt und über sich selbst dachte. Im Zweifelsfall, so erzählte sie, sah sie das Leben „vom hellsten Punkt“ aus. Erstaunlich, denn sie hatte mit ihrem fünfjährigen Sohn das Konzentrationslager Theresienstadt überlebt, ihr Mann war dort umgekommen. Dann starb der über alles geliebte Sohn auch noch vor ihr. Sie war überzeugt, die Disziplin in ihrem Denken und ihrem Alltag hätten sie gerettet.

 

Disziplin erlebten viele als Zumutung

Disziplin hat bei vielen einen schlechten Ruf. Man denkt an Militär, an Drill, an Gewalt, an Schläge, an Stillsitzen und Mundhalten. Disziplin erlebten viele ältere Menschen noch als eine Zumutung von außen. Da war der eigene Wille gar nicht gefragt, man hatte sich nur dem anderer unterzuordnen. In Hierarchien wird „diszipliniert“, was nicht nur so ähnlich klingt wie „schikaniert“. Man kann Menschen dazu bringen, etwas zu tun, das sie sonst ablehnen würden, wenn man sie einer Ordnung unterwirft, die jedes Abweichen mit Gewalt bedroht. Man beruft sich auf Gehorsam, den man sich durch Eide und Gelübde unverbrüchlich versprechen lässt. Derart legt man die moralische Grundlage für Kriege, rechtfertigt Exzesse der Gewalt und die Auslöschung des Willens der Einzelnen zugunsten eines Kollektivs. Im Namen eines größeren Zieles, des Vaterlandes, der richtigen Ideologie oder einer religiösen Wahnvorstellung lässt sich das Grausamste geordnet umsetzen.


Regelmäßigkeiten entlasten

Unser Organismus ist ein wenig langweilig und liebt Disziplin. Das Gehirn will wissen, wann Schlafruhe ist, um sich zu regenerieren, die Eingeweide wollen mit Nahrung nicht ständig belästigt werden, damit der hauseigene Putztrupp seine Arbeit machen kann. Unsere Seele hat es gerne ähnlich überschaubar. Die Gebetszeiten, die den Tag in Klöstern strukturieren, ergeben im Gesamten einen Rhythmus der Anspannung und der Entspannung, des Aufnehmens und des Verarbeitens, des Alleinseins und des Gemeinschaftlichen. In den bäuerlichen Lebenswelten früherer Tage war es noch ähnlich. Das moderne Leben nimmt auf solche Bedürfnisse wenig Rücksicht. Wir sind den größten Teil des Tages „fremdgesteuert“. Außerdem will man viel erleben und den Tag ausnützen. Das macht Stress. Um alles unterzubringen, lässt man die halbe Stunde Pause am Nachmittag aus, verzichtet auf den Spaziergang am Morgen oder auf den Schlaf einer halben Nacht. Muss man sich alles versagen, wenn man diszipliniert lebt?

 

Ohne Disziplin wird man unzufrieden

Die Psychologie sagt uns, Disziplin heiße, die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, sich nicht alles sofort erfüllen zu müssen, was eine Laune uns nahelegt. Das gelinge aber nur, wenn man ein Ziel vor Augen hat, das diesen „Triebverzicht“ wert ist. Wer abnehmen will, wer für einen Marathon trainiert oder aus Klimaschutz auf ein Auto verzichtet, weiß genau, was gemeint ist. In der Trainingsphase hin auf das Ziel sitzt garantiert irgendwo im Kopf ein kleines Teufelchen, das beständig vor sich hin plaudert: „Aber geh! Gönn dir doch etwas, nur das eine Mal, dann kannst du ja wieder weitermachen, sei doch nicht so streng mit dir selbst.“ So süß flötet es in unser Ohr, bis wir ihm das Kommando überlassen. Mit den bekannten Folgen. Man mag sich selbst nicht, weil man wieder einmal „schwach“ geworden ist. Der innere Unfriede, der daraus entsteht, färbt unweigerlich auf die Umgebung ab. Ein Streit mit anderen leitet die Aggression von innen nach außen um. Am Ende ist mehr zerstört als gewonnen.

 

Disziplin macht das Leben leichter

Friedfertig kann sein, wer gelernt hat, sich selbst zu führen, sich nicht allen Ablenkungen zu überlassen. Im Erlernen von Disziplin hilft uns die Gewohnheit. Es braucht fünfzig Wiederholungen bis das Gehirn etwas als neue Gewohnheit akzeptiert. Ab dann sinkt der Kraftaufwand. Man muss sich für einen Spaziergang, für eine Ruhephase, für eine Übungszeit nicht mehr bewusst entscheiden, sie sind Teil des täglichen Programms. Friedfertig kann sein, wer sich das Leben leichter gemacht hat. Doch Disziplin sollte nicht zum militärischen Oberkommando über uns selbst führen. Wer sich keine Beweglichkeit mehr gestattet, wird eher zwanghaft als friedlich. Wir entwickeln uns. Was einmal wichtig war, wird abgelöst von Neuem. Nichts von dem, was man eingeübt hat, geht deswegen verloren. Disziplin kann uns großzügig machen. Wenn man gut für sich sorgt, sich auf Wesentliches konzentriert und Unnötiges weglässt, schafft man auch Platz für andere. Alice Herz Sommer war eine sehr wache, an anderen Menschen, an anderen Welten interessierte Frau. Dafür hatte sie am Nachmittag ausreichend Zeit, wenn es mit dem Klavierspielen genug war.

Alexandra Grill
Fastenserie mit Christine Haiden

Tugenden der Friedfertigkeit

Friede beginnt mit einer inneren Haltung. Gegen die Kultur des Rechthabenwollens hilft eine Kultur der Friedfertigkeit. Die Tugenden, die Christine Haiden in der Fastenzeit in sieben Artikeln vorstellt, sind: Sanftmut, Geduld, Disziplin, Verzeihen, Güte, Humor, Zärtlichkeit.

Aus der KirchenBlatt-Ausgabe Nr. 7 vom 19. Februar 2026. 

 

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Veröffentlicht am 15.01.2026
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