
Von Joachim Schwald
„Wir haben das große Glück, dass in unserer Pfarre sehr viel passiert. Aus der Beobachtung heraus, dass vieles davon aber im Verborgenen bleibt und kaum etwas vor den Vorhang tritt, entstand die Idee der ‚Wand der Mitmenschlichkeit‘“, erzählt Gemeindeleiter Michael Willam. An Weihnachten wurde die Tafel erstmals aufgehängt bzw. präsentiert und bleibt das ganze Jahr über im Eingangsbereich des Pfarrheimes bzw. in der Pfarrkirche stehen.
„In einer Gesellschaft, in der zunehmend der Egoismus vorherrscht, war es uns wichtig, ganz bewusst einen Impuls zu setzen, der dazu anregt, sich selbst zu hinterfragen“, gibt Willam Einblick in die Überlegungen. Statt die Ellbogen auszufahren, soll der Arm um den anderen gelegt werden, hofft er, dass die Aktion Kreise zieht. „Wir wollen ein Bewusstsein schaffen, dass wir gemeinsam unterwegs sind und so eine Brücke in die Welt bauen. So kann es uns gelingen, die Kraft der gelebten Nächstenliebe nach außen zu tragen“, so das erklärte Ziel. „Wenn es uns gelingt, andere damit anzustecken und der Funke überspringt, kann das auch Energie für die Pfarrgemeinden bedeuten“, ist der Gemeindeleiter überzeugt.
Und so funktioniert‘s: „Auf einer großen Tafel sind 150 Felder eingezeichnet. Jedes Feld steht für 150 Minuten (2,5 Stunden), die ich einem Menschen schenke, der es gerade schwer hat im Leben“, beschreibt er. „Zeit schenken kann beispielsweise heißen jemanden zu besuchen, der einsam ist, mit jemandem spazieren gehen, ein oder mehrere Telefonate führen, Erledigungen für jemanden machen, der es selbst nicht kann, jemanden auf ein Eis einladen, eine Überraschung vorbereiten, einen Brief schreiben, für jemanden beten und viele mehr“, zählt er auf. Ziel sei es, diese insgesamt 2,5 Stunden oder 150 Minuten 150-mal an Menschen zu verschenken. „Vielleicht gerade auch an jene, an die wir sonst nicht gedacht hätten“, fügt er hinzu.

Jede und jeder, die/der mitmachen will, kann anonym ein kleines Herz auf eines der freien Felder an die Wand kleben, bis schließlich im Laufe des Jahres (hoffentlich) alle Felder belegt sind. „Die große Herausforderung wird es sein, die Menschen tatsächlich dazu zu bringen, ein Herz zu kleben“, vermutet der Gemeindeleiter, der große Hoffnung in die Strahlkraft der Wand legt. „Wenn es uns gelingt, diese Komponente auch in die Liturgie zu integrieren, kann eine Bewegung entstehen. So gewinnt die Kirche an Glaubwürdigkeit und Authentizität“, ist er überzeugt.
Mit der Sternsinger-Aktion Anfang des Jahres konnte in Sachen Nächstenliebe bereits ein erstes Ausrufezeichen gesetzt werden und das in doppelter Art und Weise, denn „die Sternsinger:innen unterstützten mit ihrem Einsatz bedürftige Menschen in der Welt und bereiteten mit ihrem Besuch den Menschen vor Ort eine Freude“.